Kapitel 9
Die Sonderklausel im Kleingedruckten
✦ ✦ ✦
1 Da nun Salomo hatte ausgebaut das Haus des HERRN und das Haus des Königs und alles, was er zu bauen sich vorgenommen hatte, erschien der HERR ihm zum andernmal, wie er ihm zu Gibeon erschienen war. Der zweite Besuch fiel schlichter aus als der erste; niemand bekommt zweimal denselben leeren Scheck ausgestellt.
2 Und der HERR sprach zu ihm: Ich habe dein Gebet und Flehen gehört, das du vor mir gefleht hast, und habe dies Haus geheiligt, das du gebaut hast, dass ich meinen Namen daselbst hinsetze ewiglich, und meine Augen und mein Herz sollen daselbst sein allewege.
3 Und du, wirst du vor mir wandeln, wie dein Vater David gewandelt hat, mit rechtschaffenem Herzen und aufrichtig, dass du tust alles, was ich dir geboten habe, und meine Sitten und Rechte hältst.
4 So will ich bestätigen den Stuhl deines Königreichs über Israel ewiglich, wie ich deinem Vater David geredet habe: Es soll dir nicht gebrechen an einem Mann auf dem Stuhl Israels.
5 Werdet ihr aber euch von mir abwenden, ihr und eure Kinder, und nicht halten meine Gebote und Rechte, sondern hingehen und andern Göttern dienen, so werde ich Israel ausrotten von dem Lande, das ich ihnen gegeben habe, und das Haus, das ich meinem Namen geheiligt habe, will ich von meinem Angesicht werfen.
6 Und Israel wird zum Sprichwort und Spott unter allen Völkern werden, und dies Haus wird zum Trümmerhaufen, dass jeder, der vorübergeht, sich entsetzt und zischt. Man merke sich diesen Satz gut; er wird in diesem Buch noch von Nutzen sein, und zwar früher, als der König dachte, der ihn gerade selbst gehört hatte.
7 So beschloss der HERR die zweite Zusage mit einer Klausel, die in der ersten noch nicht gestanden hatte. Auch Verträge zwischen Gott und König werden mit jeder Fassung länger und schärfer, ganz wie die Nutzungsbedingungen, die der Mensch schon seit Eden unterschreibt, ohne sie zu lesen.
8 Und als zwanzig Jahre um waren, in welchen Salomo die zwei Häuser baute, das Haus des HERRN und das Haus des Königs, dazu gab Hiram, der König zu Tyrus, Salomo Zedern- und Tannenholz und Gold, so viel er begehrte.
9 Da gab der König Salomo Hiram zwanzig Städte im Lande Galiläa. Und Hiram zog aus von Tyrus, die Städte zu besehen, die ihm Salomo gegeben hatte, und sie gefielen ihm nicht.
10 Und er sprach: Was sind das für Städte, mein Bruder, die du mir gegeben hast? Und hieß sie das Land Kabul bis auf diesen Tag, das heißt: wie nichts. Man bezahlt einen Lieferantenvertrag zuletzt selten mit dem, was der andere sich gewünscht hätte, sondern mit dem, was gerade übrig war.
11 Denn Hiram hatte Salomo hundertzwanzig Zentner Gold gesandt. Von einem Freund, der dem Vater immer treu gewesen war, blieb am Ende ein missmutiger Landstrich und ein Wortspiel, das seinen Namen bis heute trägt.
12 Und das ist die Sache mit der Zwangsarbeit, die der König Salomo ausschrieb, zu bauen das Haus des HERRN und sein eigenes Haus und Millo und die Mauer Jerusalems, Hazor, Megiddo und Geser.
13 Alles Volk aber, das übrig war von den Amoritern, Hethitern, Pheresitern, Hevitern und Jebusitern, die nicht von den Kindern Israel waren, ihre Nachkommen, die im Lande übrig geblieben waren, die konnten die Kinder Israel nicht ganz vertilgen - die machte Salomo zu Fronleuten bis auf diesen Tag.
14 Aber von den Kindern Israel machte er nicht Knechte, sondern sie waren Kriegsleute und seine Knechte, Oberste, Ritter und Hauptleute über seine Wagen und Reiter. Man beachte den Unterschied ganz genau: der eine Satz trennt Fronarbeit von Offizierslaufbahn, und die Grenze zwischen beiden verlief entlang derselben Linie, die schon Israel von den anderen Völkern trennte.
15 So gehörte offenbar, wer zum eigenen Volk zählte, in eine andere Verszeile als der, dessen Vorfahren zufällig schon vorher im Land gewohnt hatten. Diese Unterscheidung wurde nirgends als Grausamkeit vermerkt, nur als Verwaltungsdetail - was sie für die, die davon betroffen waren, um nichts erträglicher machte.
16 Denn Pharao, der König in Ägypten, war heraufgekommen und hatte Geser eingenommen und mit Feuer verbrannt und die Kanaaniter erschlagen, die in der Stadt wohnten, und hatte sie seiner Tochter, Salomos Weib, zum Geschenk gegeben.
17 So baute Salomo Geser wieder auf, dazu das niedere Beth-Horon und Baalath und Thamar in der Wüste im Lande, dazu alle Städte der Kornhäuser, die Salomo hatte, und die Städte für die Wagen und die Städte für die Reiter.
18 Und was Salomo Lust hatte zu bauen zu Jerusalem und auf dem Libanon und im ganzen Lande seiner Herrschaft. Auch machte er sich eine Flotte auf dem Roten Meer bei Ezeon-Geber, und Hiram sandte seine Knechte mit den Schiffen, die des Meeres kundig waren, samt den Knechten Salomos.
19 Und sie kamen gen Ophir und holten daselbst vierhundertzwanzig Zentner Gold und brachten es dem König Salomo. Was auf dem Landweg mit Zwangsarbeit begann, endete auf dem Seeweg mit Gold in Zentnermengen; beides gehörte, wie sich zeigen sollte, zu ein und demselben Geschäftsmodell.