Kapitel 25
Die Deeskalation
✦ ✦ ✦
1 Und Samuel starb, und ganz Israel versammelte sich und beklagte ihn und begrub ihn in Rama. Und David machte sich auf und zog hinab in die Wüste Paran.
2 Es war aber ein Mann zu Maon, der hatte Besitz zu Karmel, sehr groß, dreitausend Schafe und tausend Ziegen, und er schor eben seine Schafe zu Karmel.
3 Und der Mann hieß Nabal, sein Weib aber Abigail, eine Frau von gutem Verstand und schön von Angesicht; der Mann aber war hart und boshaft in seinem Tun.
4 Und David sandte zehn Knaben hinauf und ließ Nabal grüßen mit freundlichen Worten: Friede sei mit dir und deinem Hause. Wir haben deine Hirten nicht beleidigt, solange sie bei uns in Karmel waren, und es fehlte ihnen nichts; frage deine Knechte danach, und gib deinen Knechten und deinem Sohn David, was deine Hand findet.
5 Als aber Davids Knaben dies alles zu Nabal geredet hatten, antwortete Nabal: Wer ist David, und wer ist der Sohn Isais? Es laufen heutzutage viele Knechte von ihren Herren.
6 Sollte ich mein Brot, mein Wasser und mein Fleisch, das ich für meine Scherer geschlachtet habe, Leuten geben, von denen ich nicht weiß, woher sie kommen?
7 Es war die ganze Verhandlung: eine Bitte um Gastfreundschaft, wie sie in diesem Land seit Abraham üblich war, und eine Antwort, die den Preis eines Krieges nicht kannte.
8 Da die Knaben zu David kamen und ihm die Worte wiedersagten, sprach David: Gürtet ein jeder sein Schwert an. Und es zogen bei vierhundert Mann mit David hinauf, zweihundert aber blieben beim Gepäck.
9 Einer der Diener aber sagte es Abigail, Nabals Weib, an: David hat Boten gesandt, unsern Herrn zu grüßen, und er hat sie angefahren, obwohl die Männer uns sehr gut behandelt und nichts von uns vermisst haben, solange wir bei ihnen waren.
10 Erwäge nun, was du tun willst, denn Unheil ist über unsern Herrn und sein ganzes Haus beschlossen, und er ist ein solcher Nichtsnutz, dass niemand mit ihm reden kann.
11 Da eilte Abigail und nahm zweihundert Brote, zwei Krüge Wein, fünf zubereitete Schafe, geröstetes Korn, Rosinen und Feigenkuchen und lud es auf Esel und sandte es David voraus, ihrem Mann aber sagte sie nichts.
12 David aber hatte gesagt: Umsonst habe ich diesem Mann alles behütet in der Wüste, und er hat mir Böses für Gutes vergolten; so tue Gott den Feinden Davids, wenn ich bis zum Morgenlicht von allem, was Nabal gehört, auch nur einen übrig lasse.
13 Als Abigail David sah, stieg sie eilends vom Esel und fiel vor ihm auf ihr Angesicht und sprach: Auf mir, mein Herr, sei diese Schuld; höre die Worte deiner Magd, und achte nicht auf diesen Mann Belials, denn wie sein Name ist, so ist er: Nabal heißt er, und Torheit wohnt bei ihm.
14 Nun aber, dieses Geschenk, das deine Magd ihrem Herrn gebracht hat, das gebe man den Knaben, die meinem Herrn folgen; vergib die Übertretung deiner Magd, denn der HERR wird meinem Herrn ein beständiges Haus machen.
15 Wird aber jemand aufstehen, dich zu verfolgen, so wird die Seele meines Herrn eingebunden sein im Bündlein der Lebendigen bei dem HERRN, deinem Gott; wenn aber der HERR meinem Herrn alles Gute getan hat, so gedenke deiner Magd.
16 David sprach zu Abigail: Gelobt sei der HERR, der Gott Israels, der dich heute mir entgegengesandt hat. Gesegnet sei dein Rat, und gesegnet seist du, dass du mich abgehalten hast, mit eigener Hand Blut zu vergießen.
17 Und David nahm von ihrer Hand, was sie gebracht hatte, und sprach: Ziehe hinauf mit Frieden in dein Haus, siehe, ich habe deiner Stimme gehört und dein Angesicht angesehen.
18 Abigail aber kam zu Nabal, und siehe, er hielt ein Mahl in seinem Hause wie ein Königsmahl, und Nabals Herz war guter Dinge, denn er war sehr trunken; darum sagte sie ihm nichts bis der Morgen anbrach.
19 Als aber der Wein von Nabal gewichen war, sagte ihm sein Weib diese Dinge, da erstarb sein Herz in ihm, dass er ward wie ein Stein; und über zehn Tage danach schlug ihn der HERR, dass er starb.
20 Ein einziges Gespräch am Morgen genügte, um zu erledigen, wofür der Vorabend beinahe vierhundert bewaffnete Männer gebraucht hätte - die Frau, die den Krieg absagte, hatte dafür weder Schwert noch Boten nötig, nur die richtigen Worte zur richtigen Zeit.
21 Als David hörte, dass Nabal tot war, sprach er: Gelobt sei der HERR, der die Sache meiner Schmach an Nabal gerächt und mich vor Bösem bewahrt hat. Und er sandte hin und warb um Abigail, sie zum Weibe zu nehmen.
22 Und sie machte sich eilends auf und ritt auf einem Esel, und fünf Mägde gingen mit ihr, und sie folgte den Boten Davids und ward sein Weib.