Die Fake-Bibel

2. Samuel

Kapitel 12
Das Urteil über sich selbst

✦ ✦ ✦

1 Und der HERR sandte Nathan zu David. Da der zu ihm kam, sprach er zu ihm: Es waren zwei Männer in einer Stadt, einer reich, der andere arm.

2 Der Reiche hatte sehr viele Schafe und Rinder; der Arme aber hatte nichts als ein einziges kleines Schaflein, das er gekauft hatte. Und er nährte es, dass es groß ward bei ihm und bei seinen Kindern zugleich; es aß von seinem Bissen und trank aus seinem Becher und schlief in seinem Schoß und war ihm wie eine Tochter.

3 Da aber dem reichen Manne ein Gast kam, wollte er nicht von seinen eigenen Schafen und Rindern nehmen, dem Gast etwas zuzurichten, und nahm das Schaf des armen Mannes und richtete es zu für den Mann, der zu ihm gekommen war.

4 Da ergrimmte David sehr über diesen Mann und sprach zu Nathan: So wahr der HERR lebt, der Mann ist ein Kind des Todes, der das getan hat. Dazu soll er das Schaf vierfältig bezahlen, darum dass er solches getan und nicht geschont hat.

5 Da sprach Nathan zu David: Du bist der Mann. So spricht der HERR, der Gott Israels: Ich habe dich zum König gesalbt über Israel und habe dich errettet aus der Hand Sauls.

6 Und habe dir deines Herrn Haus gegeben, dazu seine Weiber in deinen Schoß, und habe dir das Haus Israel und Juda gegeben; und ist das zu wenig, will ich noch dies und das dazutun.

7 Warum hast du denn das Wort des HERRN verachtet, dass du solches Übel vor seinen Augen tatest? Uria, den Hethiter, hast du erschlagen mit dem Schwert; sein Weib hast du dir zum Weibe genommen, ihn selbst aber hast du erwürgt durch das Schwert der Kinder Ammon.

8 Vier Verse zuvor hatte David selbst das Urteil gesprochen, laut, empört, ohne Zögern: Der Mann ist ein Kind des Todes. Es ist die schärfste Zeile der ganzen Schrift, weil sie zeigt, wozu jeder Mensch fähig ist - im fremden Fall messerscharf zu urteilen und im eigenen blind zu sein, bis ihm jemand den Spiegel vorhält und sagt: Du bist der Mann.

9 Nun so soll von deinem Hause das Schwert nicht lassen ewiglich, darum dass du mich verachtet hast und das Weib Urias, des Hethiters, genommen hast, dass sie dein Weib sei.

10 So spricht der HERR: Siehe, ich will Unheil über dich erwecken aus deinem eigenen Hause und will deine Weiber nehmen vor deinen Augen und will sie deinem Nächsten geben, dass er bei deinen Weibern liege am hellen Tage. Denn du hast es heimlich getan; ich aber will dies tun vor ganz Israel und vor der Sonne.

11 Da sprach David zu Nathan: Ich habe gesündigt wider den HERRN. Fünf Worte, ohne Ausrede, ohne Verweis auf den Krieg, auf die Umstände, auf einen Boten, der es besser hätte wissen müssen. Man vergleiche das mit dem, was Adam einst über die Frau sagte, die du mir zugesellt hast.

12 Nathan sprach zu David: So hat auch der HERR deine Sünde weggenommen, du wirst nicht sterben. Aber weil du durch diese Tat die Feinde des HERRN zum Lästern gebracht hast, wird der Sohn, der dir geboren ist, des Todes sterben.

13 Und Nathan ging heim. Und der HERR schlug das Kind, das Urias Weib David geboren hatte, dass es sehr krank ward.

14 Da suchte David Gott um das Knäblein und fastete und ging hinein und lag über Nacht auf der Erde. Die Ältesten seines Hauses standen um ihn, dass sie ihn aufrichteten von der Erde; er aber wollte nicht und aß auch nicht mit ihnen.

15 Am siebenten Tage aber starb das Kind. Und Davids Knechte fürchteten sich, ihm anzusagen, dass das Kind tot wäre, denn sie dachten: Siehe, da das Kind noch lebte, redeten wir mit ihm, und er gehorchte unserer Stimme nicht; wie viel mehr wird er sich wehe tun, wenn wir sagen, das Kind sei tot.

16 David aber merkte, dass seine Knechte leise miteinander redeten, und verstand, dass das Kind tot war, und sprach zu ihnen: Ist das Kind tot? Sie sprachen: Ja.

17 Da stand David auf von der Erde und wusch sich und salbte sich und tat andere Kleider an und ging in das Haus des HERRN und betete an. Und da er wiederkam zu seinem Hause, ließ er sich Brot auftragen und aß.

18 Da sprachen seine Knechte zu ihm: Was ist das für ein Ding, das du tust? Da das Kind noch lebte, fastetest du und weintest, nun es aber gestorben ist, stehst du auf und isst.

19 Er sprach: Um das Kind fastete ich und weinte, da es noch lebte, denn ich dachte: Wer weiß, ob mir der HERR gnädig wird, dass das Kind lebendig bleibe. Nun es aber tot ist, was soll ich fasten? Kann ich es wieder zurückholen? Ich werde wohl zu ihm fahren, es kommt aber nicht wieder zu mir.

20 Und David tröstete sein Weib Bathseba und ging zu ihr hinein und schlief bei ihr. Und sie gebar einen Sohn, den hieß er Salomo. Und der HERR liebte ihn und sandte hin durch Nathan, den Propheten, und hieß ihn Jedidja um des HERRN willen.

21 Joab aber stritt wider Rabba, die Stadt der Kinder Ammon, und gewann die königliche Stadt und sandte Boten zu David: Ich habe wider Rabba gestritten und die Wasserstadt gewonnen. So nimm nun das übrige Volk zusammen und belagere die Stadt und gewinne sie, auf dass nicht ich sie gewinne und mein Name über sie genannt werde.

22 Da sammelte David alles Volk und zog gen Rabba und stritt dawider und gewann es und nahm die Krone ihres Königs von seinem Haupt, die war einen Zentner Gold wert und hatte edle Steine, und sie ward David auf sein Haupt gesetzt, und er führte aus der Stadt sehr großen Raub.

23 Aber das Volk drinnen führte er heraus und legte sie unter Sägen und eiserne Dreschwagen und eiserne Äxte und ließ sie durch Ziegelöfen gehen; so tat er allen Städten der Kinder Ammon. Der Text, der eben noch einen König an seiner eigenen Reue maß, hält hier nicht einmal inne, um dasselbe Maß an ihm anzulegen. Man kann diesen Satz nicht mit dem vorigen versöhnen; man kann nur festhalten, dass beide auf derselben Seite stehen.

24 Danach kehrte David samt allem Volk wieder gen Jerusalem.