Kapitel 19
Der Umsatzeinbruch der Göttin Diana
✦ ✦ ✦
1 Es geschah aber, während Apollos zu Korinth war, dass Paulus durch die oberen Länder zog und kam gen Ephesus und fand etliche Jünger. Zu denen sprach er: Habt ihr den Heiligen Geist empfangen, da ihr gläubig wurdet? Sie antworteten: Wir haben auch nicht gehört, ob ein Heiliger Geist sei.
2 Er sprach zu ihnen: Worauf seid ihr denn getauft? Sie sprachen: Auf die Taufe des Johannes. Paulus aber sprach: Johannes hat getauft mit der Taufe der Buße und dem Volk gesagt, sie sollten glauben an den, der nach ihm kommen sollte, das ist an Jesus Christus.
3 Da sie das hörten, ließen sie sich taufen auf den Namen des Herrn Jesu. Und da Paulus die Hände auf sie legte, kam der Heilige Geist auf sie, und sie redeten mit Zungen und weissagten. Und aller der Männer waren bei zwölf.
4 Er ging aber in die Schule und predigte frei drei Monate lang, lehrte und beredete von dem Reich Gottes. Da aber etliche verstockt wurden und nicht glaubten und übel redeten von dem Wege vor der Menge, wich er von ihnen und sonderte ab die Jünger und redete täglich in der Schule eines, der hieß Tyrannus.
5 Und das geschah zwei Jahre lang, also dass alle, die in Asien wohnten, das Wort des Herrn Jesu hörten, beide, Juden und Griechen. Es geschah in einem gemieteten Hörsaal, dessen Besitzer den Namen Tyrannus trug - es blieb, im ganzen Buch, das einzige Kapitel, in dem die Kirche sich einen Raum von jemandem lieh, der so hieß, und niemand hielt das für ein Omen.
6 Und Gott wirkte nicht geringe Taten durch die Hände Paulus, also dass sie auch von seiner Haut die Schweißtücher und Binden über die Kranken hielten und die Seuchen von ihnen wichen und die bösen Geister von ihnen ausfuhren.
7 Es unterwanden sich aber etliche der umherziehenden jüdischen Beschwörer, den Namen des Herrn Jesu zu nennen über die, so böse Geister hatten, und sprachen: Wir beschwören euch bei dem Jesus, den Paulus predigt. Es waren aber sieben Söhne eines jüdischen Hohenpriesters Skeva, die das taten.
8 Aber der böse Geist antwortete und sprach: Jesus kenne ich wohl, und Paulus weiß ich wohl, wer aber seid ihr? Und der Mensch, in dem der böse Geist war, sprang auf sie und ward Meister über sie, also dass sie nackt und verwundet aus demselben Hause entflohen.
9 Es war das erste dokumentierte Beispiel eines Zertifikats, das seine Gültigkeit verlor, sobald man es prüfte. Sieben Männer hatten den Namen wie eine Formel benutzt, ohne die Sache dahinter, und die Sache dahinter fragte sehr höflich nach ihren Referenzen.
10 Das ward aber kund allen, die zu Ephesus wohnten, sowohl Juden als Griechen, und fiel eine Furcht über sie alle, und der Name des Herrn Jesu ward hoch gepriesen.
11 Es kamen auch viele derer, die gläubig waren geworden, und bekannten und verkündigten, was sie getrieben hatten. Viele aber, die vorwitzige Kunst getrieben hatten, brachten die Bücher zusammen und verbrannten sie öffentlich, und man überrechnete, was sie wert waren, und fand die Summe fünfzigtausend Silberlinge.
12 So mächtig wuchs das Wort des Herrn und nahm überhand. Die Bibliothek der Stadt wurde an einem Nachmittag um ein Vermögen kleiner, und niemand hat je berechnet, wie viel Angst darin verbrannte, die vorher als Umsatz gezählt hatte.
13 Da sich diese Sachen so zutrugen, entstand nicht ein kleines Getümmel über diesem Wege. Ein Goldschmied mit Namen Demetrius machte silberne Tempel der Diana, davon den Werkleuten kein geringer Gewinn zuwuchs.
14 Dieselben und die Beiarbeiter des Handwerks versammelte er und sprach: Liebe Männer, ihr wisst, dass wir großen Zugewinn von diesem Gewerbe haben. Nun sehet und höret ihr, dass nicht allein zu Ephesus, sondern auch fast in ganz Asien dieser Paulus viel Volks abfällig macht, und spricht, es seien nicht Götter, welche mit Händen gemacht sind.
15 Es steht in diesem Buch nirgends geschrieben, dass jemand über Paulus wütend geworden wäre, weil er unrecht gehabt hätte. Man wurde wütend, wenn er einer Umsatzzahl im Weg stand - der Wahrsagerin in Philippi, dem Silberschmied in Ephesus. Der Vorwurf der Ketzerei ist selten der eigentliche, und die Kasse hat ein besseres Gedächtnis als die Theologie.
16 Da sie das hörten, wurden sie voll Zorns und schrien und sprachen: Groß ist die Diana der Epheser! Die ganze Stadt ward voll Getümmels, und sie liefen einmütig auf den Schauplatz und rissen mit sich Gajus und Aristarchus aus Mazedonien, des Paulus Gefährten.
17 Da aber Paulus wollte unter das Volk gehen, ließen’s ihm die Jünger nicht zu. Etliche der Obersten in Asien aber, die des Paulus gute Freunde waren, sandten zu ihm und ermahnten ihn, dass er sich nicht begäbe auf den Schauplatz.
18 Die einen schrien so, die andern anders, und die Gemeinde war irre, und die meisten wussten nicht, warum sie zusammengekommen waren. Etwa zwei Stunden schrien sie: Groß ist die Diana der Epheser!
19 Da aber der Kanzler das Volk gestillt hatte, sprach er: Ihr Männer von Ephesus, welcher Mensch ist, der nicht wisse, dass die Stadt der Epheser sei eine Pflegerin der großen Göttin Diana? Ihr habt diese Menschen hergeführt, die weder Tempelräuber noch Lästerer eurer Göttin sind. Werdet ihr aber etwas anderes fordern, so soll es auf ordentlicher Gemeinde entschieden werden. Und er entließ die Versammlung.
20 Es hatte ein Beamter dessen bedurft, allen zu erklären, dass ein Gerücht kein Verfahren ist, um einen Tumult zu beenden, der aus einem sinkenden Andenkenverkauf entstanden war. Danach nachdem der Aufruhr aufgehört hatte, rief Paulus die Jünger zu sich und ermahnte sie und nahm Abschied von ihnen und zog aus, zu reisen nach Mazedonien.