Kapitel 1
Der Zwischenbericht
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1 Dies sind die Worte, die Mose redete zu ganz Israel jenseits des Jordans in der Wüste. Es war die Rede eines Mannes, der wusste, dass er das Ziel nicht betreten würde, und darum war sie so genau.
2 Elf Tagereisen sind es vom Horeb bis Kadesch-Barnea. Sie hatten vierzig Jahre gebraucht. Der Unterschied zwischen elf Tagen und vierzig Jahren ist nicht die Entfernung, sondern das, was unterwegs beschlossen wurde.
3 Der HERR unser Gott redete mit uns am Berge Horeb und sprach: Ihr seid lange genug an diesem Berge gewesen. Wendet euch und ziehet hin. Siehe, ich habe euch das Land gegeben; ziehet hinein und nehmet es ein.
4 Und ich sprach zu euch: Ich kann euch nicht allein tragen. Es ist der erste Satz eines Vorgesetzten in diesem Buch, und er war ehrlich gemeint. Danach ist er nur noch selten ehrlich gemeint gewesen.
5 Schafft her weise, verständige und erfahrene Leute unter euren Stämmen, dass ich sie über euch setze. Und ihr antwortetet: Das ist eine gute Sache, davon du redest.
6 Da nahm ich die Häupter eurer Stämme und setzte sie über euch, Oberste über tausend, über hundert, über fünfzig und über zehn. So entstand die erste Ordnung, in der jeder einen über sich hatte, und mit ihr die Möglichkeit, dass ein Volk noch weiterläuft, wenn niemand mehr weiß, wohin.
7 Und ich gebot euren Richtern: Höret eure Brüder und richtet recht zwischen einem Mann und seinem Bruder und dem Fremdling. Ihr sollt kein Ansehen der Person kennen im Gericht, sondern den Kleinen hören wie den Großen. Der Fremdling steht schon hier, im ersten Kapitel, im ersten Auftrag, den dieses Buch erteilt.
8 Wird euch eine Sache zu schwer sein, die lasset an mich gelangen. Die schweren Fälle nach oben, die leichten nach unten - eine Regel, die seither in jedem Amt gilt und in jedem Amt umgekehrt gehandhabt wird: Oben bleibt, was Ansehen bringt, unten liegt, was Arbeit macht.
9 Da zogen wir vom Horeb und wanderten durch die ganze Wüste, die groß und grausam ist, auf dem Wege zum Gebirge der Amoriter, und kamen bis Kadesch-Barnea.
10 Und ich sprach zu euch: Siehe, der HERR hat dir das Land gegeben; zieh hinauf und nimm es ein und fürchte dich nicht. Da kamt ihr alle zu mir und sprachet: Lasst uns Männer vor uns hersenden, die uns das Land erkunden und uns Bericht sagen.
11 Und ich nahm zwölf Männer, aus jedem Stamm einen. Es war der erste Beschluss dieses Volkes, der nicht lautete: Wir gehen. Sondern: Wir prüfen das noch.
12 Und sie kamen wieder und brachten von den Früchten des Landes und sprachen: Das Land ist gut, das der HERR uns gibt. Und in demselben Bericht stand, dass die Städte groß und bis an den Himmel ummauert seien und Riesen darin wohnten.
13 Beides stand darin. Man merkte sich den zweiten Teil. Es ist bis heute die zuverlässigste Eigenschaft aller Berichte: Man liest sie nicht, um zu erfahren, was der Fall ist, sondern um zu finden, was man ohnehin vorhatte.
14 Da wurdet ihr unwillig in euren Zelten und sprachet: Der HERR ist uns gram, darum hat er uns aus Ägyptenland geführt, dass er uns in die Hände der Amoriter gebe. So schnell wird aus einer Angst eine Anklage, und aus dem, der einen herausgeholt hat, der Schuldige.
15 Und ich sprach: Entsetzet euch nicht. Der HERR zieht vor euch hin und wird für euch streiten, wie er es in Ägypten getan hat vor euren Augen, und in der Wüste hat er dich getragen, wie ein Mann seinen Sohn trägt, den ganzen Weg, bis ihr an diesen Ort gekommen seid.
16 Aber ihr glaubtet dem HERRN nicht, der doch vor euch herging und euch die Stätte wies, wo ihr lagern solltet, des Nachts im Feuer und des Tages in der Wolke.
17 Da ergrimmte der HERR und schwur: Keiner dieses bösen Geschlechts soll das gute Land sehen. Allein Kaleb soll es sehen, und Josua soll hineinkommen. Die beiden hatten denselben Bericht gehört wie alle anderen.
18 Auch über mich ward der HERR zornig um euretwillen und sprach: Du sollst auch nicht hineinkommen. Der Mann, der vierzig Jahre lang jede Beschwerde entgegengenommen hatte, wurde in demselben Urteil miterledigt, in einem Nebensatz.
19 Da antwortetet ihr: Wir haben gesündigt; wir wollen nun doch hinaufziehen und streiten. Und ein jeder gürtete sein Kriegsgerät um und zog hinauf ins Gebirge, und der HERR war nicht unter euch.
20 Und die Amoriter kamen heraus und jagten euch, wie die Bienen tun, und schlugen euch bis Horma. Da kamt ihr wieder und weintet vor dem HERRN, aber der HERR wollte eure Stimme nicht hören.
21 So bliebt ihr in Kadesch eine lange Zeit. Zwei Entscheidungen hatte dieses Volk zu treffen, und es traf beide zu spät: die erste, als es hätte gehen sollen, die zweite, als es hätte bleiben sollen. Daran hat sich in der Geschichte der Völker seither nichts geändert.