Die Fake-Bibel

5. Mose (Deuteronomium)

Kapitel 28
Wer selbst schuld ist

✦ ✦ ✦

1 Wenn du der Stimme des HERRN, deines Gottes, gehorchst, dass du hältst und tust alle seine Gebote, so wird dich der HERR, dein Gott, erhöhen über alle Völker auf Erden.

2 Gesegnet wirst du sein in der Stadt und auf dem Felde, gesegnet die Frucht deines Leibes und deines Landes, gesegnet dein Kommen und dein Gehen.

3 Der HERR wird deinen Feinden, die sich wider dich setzen, geben, dass sie vor dir geschlagen werden; auf einem Wege werden sie ausziehen wider dich und auf sieben Wegen fliehen.

4 So beginnt dieses Kapitel: mit einem Katalog des Glücks, der einige Verse lang alles aufzählt, was einem Volk gehören kann, das tut, was man ihm sagt - Scheunen, Kinder, Regen zur rechten Zeit, Sieg ohne Mühe. Es liest sich wie ein Prospekt.

5 Dann aber, ab hier, wird das Kapitel lang. Viel länger, als der Segen es war. Der Fluch bekommt mehr Verse, mehr Bilder, mehr Einzelheiten, als der Segen je bekam - als hätte, wer dies schrieb, am Unglück mehr Phantasie gehabt als am Glück.

6 Verflucht wirst du sein in der Stadt und auf dem Felde. Dürre wird kommen und Hitze und Brand über deine Saat, bis sie verdirbt. Der Himmel über deinem Haupt wird zu Erz, und die Erde unter dir wird zu Eisen.

7 Beulen wird der HERR dich schlagen lassen und Geschwüre, Grind und Krätze, dass du nicht heil werden kannst; Wahnsinn und Blindheit und Erstarrung des Herzens, dass du am Mittag tappen wirst wie ein Blinder in der Finsternis.

8 Dein Weib wird ein anderer nehmen, dein Haus wird ein anderer bewohnen, deinen Weinberg wird ein anderer lesen; deine Söhne und Töchter werden einem fremden Volk gegeben, und deine Augen werden es sehen und vor Sehnsucht vergehen den ganzen Tag, und deine Hand wird machtlos sein.

9 Belagert wirst du werden in allen deinen Toren, bis deine hohen und festen Mauern fallen, auf die du dich verließest im ganzen Lande. Ein fremdes Volk wird über dich kommen von ferne, von der Grenze der Erde, wie ein Adler fliegt, ein Volk, dessen Sprache du nicht verstehst.

10 In der Belagerung, in der Not, wird der Vater essen von seinem eigenen Sohn und die Mutter von ihrer eigenen Tochter, aus lauter Mangel an allem. So genau, so unerträglich detailliert wird hier ausgemalt, wozu Hunger einen Menschen bringt - und keine dieser Zeilen handelt von Schuld, alle handeln von Belagerung.

11 Aussatz Ägyptens wird dich schlagen und Beulen und Krätze, dass du nicht heil werden kannst. Der HERR wird dich schlagen mit Wahnsinn, mit Fieber und mit Entzündung.

12 Deine Leiche wird Speise werden allen Vögeln des Himmels und allen Tieren auf Erden, und niemand wird sie verscheuchen.

13 Der HERR wird dich zerstreuen unter alle Völker, von einem Ende der Erde bis zum andern, und du wirst dort andern Göttern dienen, die du nicht gekannt hast, Holz und Stein.

14 Und wirst kein Vertrauen haben zu deinem Leben; und der HERR wird dir daselbst ein bebendes Herz geben und erloschene Augen und eine verschmachtete Seele. Dein Leben wird dir vor Augen schweben Tag und Nacht, und du wirst niemals sicher sein.

15 Fluch über Fluch, in wachsender Zahl, bis der Katalog fast den halben Umfang des Kapitels füllt: Krieg, Krankheit, Hunger, Vertreibung, das eigene Kind verloren, die eigene Erde fremd geworden. Nichts davon ist erfunden für dieses Buch; es ist die vollständige Liste dessen, was Menschen einander und der Erde ohnehin schon antun, nur hier unter eine einzige Überschrift gestellt: Ungehorsam.

16 Und genau darin liegt der Preis dieses Textes. Denn wer immer später ein hungerndes Land sah, eine verwüstete Stadt, ein besiegtes Volk, eine Seuche, konnte in dieses Kapitel greifen und sagen: Seht, sie waren nicht treu, darum kam es über sie. Es war die bequemste Erklärung, die je erfunden wurde, und sie hatte den Vorteil, dass der, der sie aussprach, selbst nie betroffen war.

17 Man hat diese Liste über Jahrhunderte gegen die Armen verlesen, gegen die Kranken, gegen die Besiegten, gegen die Vertriebenen - nie gegen die, die die Belagerung anordneten, den Hunger verwalteten oder aus dem fremden Weinberg selbst lasen. Der Fluch traf, wen er wollte; die Auslegung traf immer nach unten.

18 Alle diese Flüche werden über dich kommen und dich verfolgen und treffen, bis du vertilgt wirst, weil du nicht gehorcht hast der Stimme des HERRN, deines Gottes, seine Gebote und Rechte zu halten, die er dir geboten hat.

19 Sie werden ein Zeichen und ein Wunder sein an dir und deinen Nachkommen für immer, weil du dem HERRN, deinem Gott, nicht gedient hast mit Freude und von ganzem Herzen, da du Überfluss an allem hattest.

20 Darum wirst du deinem Feind dienen müssen, den dir der HERR zuschicken wird, in Hunger und Durst, in Blöße und allerlei Mangel; und er wird ein eisernes Joch auf deinen Hals legen, bis er dich vertilgt hat. Ein Joch, aus Eisen, um den Hals dessen gelegt, den man zuvor beschuldigt hatte, es sich selbst verdient zu haben - das ist die letzte Volte dieses Kapitels, und sie ist keine, über die man lachen kann.