Kapitel 9
Nicht deine Verdienste
✦ ✦ ✦
1 Höre, Israel: Du wirst heute über den Jordan gehen, dass du hineinkommest, einzunehmen Völker, die größer und stärker sind als du, Städte, groß und bis an den Himmel ummauert,
2 ein großes, hohes Volk, die Enakiter, die du kennst, von denen du gehört hast: Wer kann den Kindern Enak widerstehen?
3 So sollst du heute wissen, dass der HERR, dein Gott, vor dir hergeht wie ein verzehrend Feuer; er wird sie vertilgen und wird sie unterwerfen vor dir, dass du sie vertreibest und bald umbringest, wie dir der HERR geredet hat.
4 Wenn nun der HERR, dein Gott, sie ausgestoßen hat vor dir, so sprich nicht in deinem Herzen: Der HERR hat mich hereingeführt, dies Land einzunehmen, um meiner Gerechtigkeit willen; so doch der HERR diese Völker um ihres gottlosen Wesens willen vor dir vertreibt.
5 Denn du kommst nicht herein, ihr Land einzunehmen, um deiner Gerechtigkeit oder deines aufrichtigen Herzens willen, sondern der HERR, dein Gott, vertreibt diese Völker um ihres gottlosen Wesens willen, und dass er das Wort halte, das er deinen Vätern Abraham, Isaak und Jakob geschworen hat.
6 So wisse nun, dass der HERR, dein Gott, dir nicht um deiner Gerechtigkeit willen dies gute Land gibt, einzunehmen; denn du bist ein halsstarriges Volk.
7 Man beachte die Rechnung, die hier aufgestellt wird: Das Land wird euch nicht gegeben, weil ihr es verdient, sondern weil die einen schlechter waren und den andern ein Wort gegeben wurde, das nichts mit euch zu tun hatte. Wer eine Wohltat für einen Ausweis der eigenen Tüchtigkeit hält, hat diesen Vers nicht gelesen, oder er hat ihn gelesen und beschlossen, dass er von jemand anderem handelt.
8 Gedenke und vergiss nicht, wie du den HERRN, deinen Gott, erzürntest in der Wüste: von dem Tage an, da du aus Ägyptenland zogst, bis ihr an diesen Ort kamt, seid ihr ungehorsam gewesen dem HERRN.
9 Am Horeb erzürntet ihr den HERRN so sehr, dass er euch vertilgen wollte, als ich auf den Berg gegangen war, die steinernen Tafeln zu empfangen, die Tafeln des Bundes, den der HERR mit euch machte, und ich blieb vierzig Tage und vierzig Nächte auf dem Berge und aß kein Brot und trank kein Wasser.
10 Und der HERR gab mir die zwei steinernen Tafeln, beschrieben mit dem Finger Gottes, und darauf waren alle Worte, die der HERR mit euch geredet hatte auf dem Berge.
11 Aber ihr hattet euch schon zu der Zeit ein gegossenes Kalb gemacht und wart schnell abgewichen von dem Wege, den euch der HERR geboten hatte.
12 Da nahm ich die zwei Tafeln und warf sie aus meinen beiden Händen und zerbrach sie vor euren Augen.
13 Und ich fiel nieder vor dem HERRN, wie zuvor, vierzig Tage und vierzig Nächte, dass ich weder Brot aß noch Wasser trank, um all eurer Sünde willen, die ihr getan hattet.
14 Denn ich fürchtete mich vor dem Zorn und Grimm, damit der HERR über euch erzürnt war, euch zu vertilgen. Und der HERR erhörte mich auch dieses Mal.
15 Auch über Aaron war der HERR sehr zornig, dass er ihn vertilgen wollte, und ich bat auch für Aaron zu der Zeit.
16 Man beachte, wie viel Fürsprache in diesem Kapitel steht und wie wenig davon vom Volk selbst kommt. Zweimal vierzig Tage lag ein Mann für sie auf dem Boden, ohne dass sie es je erfuhren, während es geschah.
17 So sollt ihr nicht sprechen: Wir kommen hinein, das Land einzunehmen, weil wir gerecht sind. Denn dieses Volk ist ein halsstarriges Volk gewesen von dem Tage an, da ich es kannte.
18 Ich fiel vor dem HERRN nieder die vierzig Tage und vierzig Nächte, in denen ich niederfiel; denn der HERR hatte gesagt, er wolle euch vertilgen.
19 Und ich betete: Herr HERR, verderbe dein Volk und dein Erbteil nicht, das du durch deine Größe erlöst und mit starker Hand aus Ägypten geführt hast. Er erhörte mich, nicht weil sie es verdient hatten, sondern weil ihm an dem eigenen Namen lag, den er einmal ausgesprochen hatte.