Kapitel 10
Der Nachtrag
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1 Und der König Ahasveros legte Steuer auf das Land und auf die Inseln im Meer.
2 Alle Werke seiner Gewalt und Macht aber und die große Würde Mordechais, zu der ihn der König erhoben hatte, ist das nicht geschrieben in der Chronik der Könige von Medien und Persien?
3 Denn Mordechai, der Jude, war der Nächste nach dem König Ahasveros und groß unter den Juden und angenehm unter der Menge seiner Brüder; er suchte das Beste für sein Volk und redete zum Wohl seines ganzen Geschlechts.
4 So endet das Buch, wie es angefangen hat: mit einer Steuerliste und einem Verweis auf eine Chronik, die niemand von uns je zu Gesicht bekommen wird. Man beachte, wie viele der wichtigsten Sätze dieses Buches in einem Aktenzeichen enden, auf das sich niemand mehr berufen kann.
5 Ein Mann, der einst am Tor saß, ohne dass es jemand für nötig hielt, ihn zu grüßen, sitzt am Schluss neben dem Thron. Dazwischen liegt kein Wunder, das man hätte fotografieren können, nur eine Kette aus Zufällen, die alle in dieselbe Richtung fielen.
6 Eine Königin, die abgesetzt wurde, weil sie sich weigerte, vorgeführt zu werden. Eine Waise, die genau deshalb an ihre Stelle trat. Ein Losentscheid, der einen Vernichtungstag festlegte und ihn damit versehentlich ankündigte. Eine schlaflose Nacht, in der ausgerechnet die richtige Seite der Chronik aufgeschlagen wurde.
7 Von alledem ist nichts befohlen worden. Es ist nur geschehen, in der Reihenfolge, die am Ende einen Sinn ergab, und wer will, kann das Zufall nennen, und wer will, kann es anders nennen; das Buch selbst entscheidet sich nicht.
8 Von den übrigen Büchern der Schrift unterscheidet sich dieses noch in einem: Es kennt keinen Tempel, kein Opfer, kein Gebot mit Nummer. Es kennt nur ein Reich, eine Verwaltung und Menschen, die innerhalb dieser Verwaltung entscheiden müssen, wie viel sie riskieren.
9 Und aus dieser Geschichte wurde ein Fest mit Gebäck und Verkleidung und lautem Lärm beim Vorlesen des Namens Haman, und aus der Angst eines ganzen Volkes wurde, ein für alle Mal, der ausgelassenste Tag im Kalender.
10 Man sollte sich daran erinnern, bevor man ein Buch danach beurteilt, wie fromm es klingt. Manche Rettungen sehen aus wie Verwaltungsvorgänge und sind trotzdem Rettungen.
11 Die Chronik der Könige von Medien und Persien ist verloren. Das Buch Esther nicht. Wer am Ende erzählt wird, entscheidet offenbar niemand, der zu Lebzeiten davon wusste.