Kapitel 28
Die aufschiebende Bedingung
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1 Da rief Isaak seinen Sohn Jakob und segnete ihn und gebot ihm: Nimm kein Weib von den Töchtern Kanaans, sondern zieh nach Mesopotamien zum Hause Bethuels, deines Mutter Vaters. Nichts hält eine Familie so zuverlässig zusammen wie die Frage, wer nicht dazugehören darf.
2 Und Esau sah, dass sein Vater die Töchter Kanaans nicht mochte, und ging hin und nahm noch ein Weib aus der Verwandtschaft. Er hatte den Segen verloren und versuchte nun, ihn nachträglich zu verdienen. Es ist die leiseste Traurigkeit dieses Kapitels, und niemand hält sich mit ihr auf.
3 Jakob aber zog aus von Beerscheba und ging gen Haran und kam an einen Ort, da blieb er über Nacht, denn die Sonne war untergegangen. Es war kein besonderer Ort. Das ist wichtig.
4 Und er nahm einen Stein und legte ihn unter sein Haupt und legte sich an dem Ort schlafen. Der gesamte Besitz des Erben lag unter seinem Kopf, und er bestand aus Gestein.
5 Und ihm träumte, und siehe, eine Leiter stand auf der Erde, die rührte mit der Spitze an den Himmel, und die Engel Gottes stiegen daran auf und nieder. Auf und nieder, unaufhörlich, in beide Richtungen, ohne dass jemand sie antrieb - es war die erste Ahnung davon, dass zwischen oben und unten etwas laufen könnte, das keinen Zuschauer braucht.
6 Und der HERR stand oben darauf und sprach: Das Land, darauf du liegst, will ich dir und deinem Samen geben, und ich will dich behüten, wo du hinziehst, und dich wiederbringen in dies Land.
7 Und ich will dich nicht verlassen, bis ich alles tue, was ich dir zugesagt habe. Ein Versprechen ohne Gegenleistung, ohne Frist und ohne Vorbehalt. Man behalte den Wortlaut im Ohr für den Rest des Kapitels.
8 Da erwachte Jakob von seinem Schlaf und sprach: Fürwahr, der HERR ist an diesem Ort, und ich wusste es nicht. Es ist einer der wenigen Sätze seines Lebens, in denen nichts gerechnet wird.
9 Und er fürchtete sich und sprach: Wie heilig ist diese Stätte! Hier ist nichts anderes als Gottes Haus, und hier ist die Pforte des Himmels. Am Abend zuvor war es ein Feld mit Steinen gewesen. Zwischen Nichts und Heiligtum liegt eine einzige gut erzählte Nacht.
10 Und Jakob stand früh auf und nahm den Stein, den er unter sein Haupt gelegt hatte, und richtete ihn auf zu einem Mal und goss Öl oben darauf. So wurde aus einem Kopfkissen ein Denkmal; aus Denkmälern werden Wallfahrtsorte, und aus Wallfahrtsorten werden Einnahmen. Das dauerte allerdings noch ein paar Jahrhunderte.
11 Und er nannte die Stätte Bethel, das heißt Haus Gottes; vorher hieß die Stadt Lus. Den alten Namen hat niemand vermisst. Umbenennungen erledigen die Vergangenheit gründlicher als jedes Vergessen.
12 Und Jakob tat ein Gelübde und sprach: So Gott wird mit mir sein und mich behüten auf dem Wege, den ich reise, und mir Brot zu essen geben und Kleider anzuziehen -
13 und mich mit Frieden wieder heim zu meinem Vater bringen, so soll der HERR mein Gott sein. Man lese es langsam: so soll. Es ist keine Anbetung, es ist ein Angebot mit aufschiebender Bedingung, und der Empfänger ist Gott.
14 Damit war der bedingte Glaube in der Welt: Ich glaube, wenn geliefert wird. Der Mensch hat diese Formel nie wieder abgelegt, er hat sie nur höflicher formuliert.
15 Und dieser Stein, den ich aufgerichtet habe, soll ein Gotteshaus werden; und von allem, was du mir gibst, will ich dir den Zehnten geben. Es ist der erste Prozentsatz in der Geschichte des Glaubens, und er steht am Ende eines Gebets.
16 So verließ Jakob den Ort, an dem der Himmel offen gestanden hatte, mit einer Konditionenliste in der Tasche. Er hatte eine Erscheinung gehabt und ein Angebot daraus gemacht - und wer je einen Menschen hat beten hören, der etwas dringend braucht, weiß, dass wir es bis heute so halten.