Die Fake-Bibel

1. Mose (Genesis)

Kapitel 34
Was Dina sagt

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1 Dina aber, die Tochter Leas, ging aus, die Töchter des Landes zu sehen. Das ist alles, was sie tut: Sie geht aus. Es ist der einzige Satz dieses Kapitels, in dem sie selbst handelt.

2 Und Sichem, der Sohn Hamors, sah sie und nahm sie und lag bei ihr und tat ihr Gewalt an. Der Text nennt es beim Namen. Die Auslegung hat Jahrhunderte damit zugebracht, mildere Wörter dafür zu finden.

3 Und sein Herz hing an ihr, und er redete freundlich mit ihr. So steht es da, unmittelbar hinter dem Vorigen, ohne Zwischenraum: die Zuneigung des Täters, aufgeschrieben wie ein mildernder Umstand.

4 Und Sichem sprach zu seinem Vater Hamor: Nimm mir das Mägdlein zum Weibe. Er wandte sich an seinen Vater. Nicht an sie. An sie wird sich in diesem Kapitel niemand wenden.

5 Und Jakob erfuhr, dass seine Tochter geschändet war; seine Söhne aber waren mit dem Vieh auf dem Felde, und er schwieg, bis sie kamen. Es war keine Fassung. Es war eine Frage der Zuständigkeit: Er wartete auf die Männer, denen die Sache gehörte.

6 Da kam Hamor und redete mit ihnen: Meines Sohnes Herz sehnt sich nach eurer Tochter, gebt sie ihm zum Weibe. Befreundet euch mit uns, gebt uns eure Töchter und nehmt ihr unsere Töchter.

7 Wohnt bei uns, das Land soll euch offen sein, handelt darin und gewinnt darin. Wenige Sätze nach der Tat war aus dem Verbrechen ein Angebot geworden: Heirat, Wohnrecht, freier Handel. Der Schaden war zur Verhandlungsmasse geworden, und die Beschädigte kam in der Rechnung nicht vor.

8 Und Sichem sprach: Fordert von mir Morgengabe und Geschenk, so viel ihr wollt, ich will es geben; gebt mir nur das Mägdlein. Er bot einen Preis. Er hielt sich dabei für großzügig. Bis zum letzten Tag seines Lebens hat er nicht begriffen, dass hier nichts zu kaufen war.

9 Da antworteten die Söhne Jakobs mit List und sprachen: Wir können das nicht tun, dass wir unsere Schwester einem unbeschnittenen Mann geben; das wäre uns eine Schande.

10 Doch wollen wir euch zu Willen sein, wenn ihr werdet wie wir und alles, was männlich ist unter euch, beschnitten wird; dann wollen wir ein Volk sein. Sie sprachen von Ehre und meinten eine Wunde.

11 Und die Rede gefiel Hamor und Sichem, und sie redeten vor dem Tor ihrer Stadt und sprachen: Diese Leute sind friedsam bei uns; ihr Vieh und ihre Habe, wird das nicht unser sein, wenn wir ihnen zu Willen sind?

12 Auch die andere Seite rechnete also. Zwei Gruppen von Männern verhandelten über eine Frau, und beide sprachen in Wahrheit über Herden.

13 Und alles, was männlich war in der Stadt, ward beschnitten. Am dritten Tage aber, da sie Schmerzen hatten, nahmen Simeon und Levi, Dinas Brüder, ein jeglicher sein Schwert und erwürgten alles, was männlich war, und Hamor und seinen Sohn dazu, und holten ihre Schwester aus dem Hause.

14 Da kamen die Söhne Jakobs über die Erschlagenen und plünderten die Stadt und nahmen ihre Schafe, Rinder und Esel und alles, was in der Stadt und auf dem Felde war, und führten ihre Weiber und Kinder gefangen weg.

15 So wurde aus der Vergewaltigung einer Frau der Anlass, die Frauen einer ganzen Stadt zu verschleppen. Wer das Rache nennt, hat den Vers nicht zu Ende gelesen.

16 Und Jakob sprach zu Simeon und Levi: Ihr habt mir Unglück gebracht, dass ich stinke vor den Einwohnern dieses Landes; ich bin ein geringer Haufe, und wenn sie sich versammeln, werden sie mich erschlagen. Über seine Tochter kein Wort. Er sorgte sich um seinen Ruf und um die Zahlenverhältnisse.

17 Sie aber antworteten: Sollten sie denn mit unserer Schwester wie mit einer Hure handeln? Auch dieser Satz handelt nicht von ihr, sondern davon, wie man mit dem umgeht, was ihnen gehört.

18 Dina spricht in diesem ganzen Kapitel kein Wort. Sie wird genommen, sie wird verhandelt, sie wird herausgeholt. Was sie wollte, hat niemand aufgeschrieben, weil niemand gefragt hat - und benannt hat man das Kapitel nach ihren Brüdern.