Die Fake-Bibel

1. Mose (Genesis)

Kapitel 36
Die Liste, die niemand liest

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1 Dies ist das Geschlecht Esaus, der da heißt Edom. Was nun folgt, hat seit dreitausend Jahren kaum ein Mensch freiwillig zu Ende gelesen. Wir fassen uns kurz, aber wir lassen es nicht weg; das Weglassen ist das Einzige, was einer solchen Liste nie widerfahren darf.

2 Esau nahm Weiber von den Töchtern Kanaans: Ada, Oholibama und Basmath, die Tochter Ismaels. Drei Frauen, drei Väter, drei Herkünfte - die Frauen selbst werden über ihre Männer erklärt, wie es in Verzeichnissen üblich ist.

3 Und Ada gebar dem Esau den Eliphas, Basmath gebar den Reguel, Oholibama gebar Jeusch, Jaelam und Korah. Das sind die Söhne Esaus, die ihm geboren wurden im Lande Kanaan.

4 Und Esau zog von seinem Bruder Jakob weg in ein anderes Land, denn ihre Habe war zu groß, als dass sie beieinander wohnen konnten. Es ist die friedlichste Trennung dieses Buches, und sie hat einen betriebswirtschaftlichen Grund.

5 Die Fürsten der Söhne Esaus aber sind diese: Teman, Omar, Zepho, Kenas, Korah, Gaetam und Amalek - und wer bis hierher gelesen hat, hat den ersten Namen bereits vergessen.

6 Dies sind die Söhne Seirs, des Horiters, die im Lande wohnten: Lotan, Sobal, Zibeon, Ana, Dison, Ezer und Disan. Und von Ana wird eigens berichtet, dass er in der Wüste warme Quellen fand, als er die Esel seines Vaters hütete.

7 Ein einziger Satz über einen einzigen Menschen, verirrt zwischen zweihundert Namen - und mehr als diesen Satz behält aus dem ganzen Kapitel niemand. Wer Verzeichnisse anlegt, sollte wissen, dass am Ende nur bleibt, was jemandem widerfahren ist.

8 Dies sind die Könige, die im Lande Edom regierten, ehe Israel einen König hatte: Bela, Jobab, Husam, Hadad, Samla, Saul, Baal-Hanan und Hadar. Ein jeder starb, ein jeder wurde ersetzt, und der Text vermerkt beides im selben Tonfall.

9 Und das sind die Fürsten von Edom nach ihren Geschlechtern, in ihren Orten und Namen. Achtzig Einträge, keine Tat, kein Gesicht, keine Schuld.

10 So hat der Mensch immer schon Namen gesammelt, lange bevor er wusste, wozu man Namen sammelt. Er hielt es für ein Andenken. Es war eine Erfassung.

11 Sie werden dieses Kapitel nie wieder aufschlagen, und das macht nichts. Ein Verzeichnis braucht keine Leser. Es braucht nur einen Ort, an dem es steht, und die Gewissheit, dass niemand widerspricht.