Die Fake-Bibel

Habakuk

Kapitel 1
Die unbeantwortete Eingabe

✦ ✦ ✦

1 Dies ist die Last, die der Prophet Habakuk schaute - eine Formulierung, die schon damals bedeutete: Hier beschwert sich einer, und niemand wird ihm schriftlich antworten.

2 HERR, wie lange schreie ich, und du willst nicht hören? Wie lange rufe ich zu dir über Frevel, und du hilfst nicht?

3 Warum lässt du mich Mühsal sehen und siehst dem Jammer zu? Raub und Frevel sind vor mir, es geht Gewalt über Recht.

4 Das Gesetz ist ohnmächtig, und keine rechte Sache kommt vor. Der Gottlose umgibt den Gerechten, darum ergehen verkehrte Urteile. Der Fall ist so alt wie die erste Akte, und bis heute niemandem zugewiesen.

5 Da antwortete der HERR: Schaut hin unter die Völker, sehet und verwundert euch, denn ich wirke ein Werk zu euren Zeiten, das ihr nicht glauben werdet, wenn man es euch erzählt.

6 Denn siehe, ich will die Chaldäer erwecken, ein bitteres und schnelles Volk, das ziehen wird, so weit die Erde ist, einzunehmen, was nicht sein ist.

7 Schrecklich und graulich sind sie, und Gericht und Hoheit gehen von ihnen selbst aus. Sie fragen niemanden um Erlaubnis; das war ihr ganzer Vorsprung.

8 Ihre Rosse sind schneller als die Parder und behender als die Wölfe am Abend. Ihre Reiter zerstreuen sich weit; sie fliegen wie Adler, die zum Aas eilen.

9 Sie kommen allesamt, um Frevel zu üben; wohin sie ihr Angesicht richten, ziehen sie hin und raffen Gefangene zusammen wie Sand. Sie fragen nicht, wem der Sand gehörte.

10 Sie spotten der Könige, und der Fürsten lachen sie. Alle Festungen sind ihnen ein Scherz; sie schütten Erde auf und gewinnen sie.

11 Dann fährt der Wind, und sie ziehen weiter und verschulden sich damit, denn ihre Kraft ist ihr Gott. So endet jede Antwort, die schneller ist als die Frage, mit demselben Fehler: Sie hält sich selbst für die letzte Instanz.

12 Bist du nicht von Anbeginn, HERR, mein Gott, mein Heiliger? Wir werden nicht sterben. HERR, zum Gericht hast du ihn gesetzt, zur Strafe, o Fels, ihn bestellt.

13 Deine Augen sind zu rein, dass du Böses sehen könntest, und dem Jammer kannst du nicht zusehen. Warum siehst du denn den Räubern zu und schweigst, dass der Gottlose verschlingt, der frömmer ist als er?

14 Und lässt die Menschen gehen wie Fische im Meer, wie Gewürm, das keinen Herrn hat.

15 Sie ziehen alle mit der Angel herauf, fangen sie mit ihrem Netz und sammeln sie mit ihrem Garn; darüber freuen sie sich und sind fröhlich.

16 Darum opfern sie ihrem Netz und räuchern ihrem Garn, weil durch diese ihr Teil so fett und ihre Speise so reichlich geworden ist. Das Werkzeug wird zum Gott befördert, sobald es liefert; das war schon vor den Chaldäern so und ist seither nicht besser geworden.

17 Sollen sie darum ihr Netz immerdar ausleeren und immerzu Völker erwürgen ohne Barmherzigkeit?