Kapitel 24
Das verordnete Schweigen
✦ ✦ ✦
1 Im neunten Jahr, am zehnten Tage des zehnten Monats, geschah des HERRN Wort zu mir und sprach:
2 Du Menschenkind, schreibe dir diesen Tag an, denn eben an diesem Tage hat der König zu Babel Jerusalem angegriffen.
3 Und gib dem ungehorsamen Hause ein Gleichnis und sprich zu ihnen: So spricht Gott der HERR: Setze einen Topf zu, setze ihn zu und gieße Wasser darein.
4 Und tue die Stücke zusammen darein, die dazu gehören, alle guten Stücke, Lende und Schulter, und fülle ihn mit den besten Beinen.
5 Nimm das Beste von der Herde und mache ein Feuer darunter, die Stücke gar zu kochen, und lass es getrost sieden.
6 Darum so spricht Gott der HERR: Weh der mörderischen Stadt, dem Topf, an dem der Rost frisst und dessen Rost nicht abgehen will. Stück für Stück hole man heraus, ohne dass das Los darüber falle.
7 Denn ihr Blut ist noch darin; auf einen bloßen Felsen hat sie es geschüttet und nicht auf die Erde, dass man’s mit Erde hätte zudecken können.
8 Darum will ich ihr Blut auch auf einen bloßen Felsen schütten, dass es nicht zugedeckt werde, auf dass der Grimm über sie komme und ich mich räche.
9 Darum spricht Gott der HERR also: Weh der mörderischen Stadt, welche ich zu einem großen Feuer machen will.
10 Trage nur viel Holz zu, mache das Feuer groß und lass das Fleisch gar kochen und die Brühe einkochen, dass die Gebeine anbrennen.
11 Man setzte den Topf so lange auf, bis kein Unterschied mehr zu erkennen war zwischen dem, was er einmal geborgen hatte, und dem Ruß auf seiner Wandung. Der Rost, den man nicht abkriegte, war am Ende sein einziges Erbe.
12 Und ob sie gleich Mühe genug daran wenden, so will doch der Rost nicht von ihr, denn es ist zu viel Rost daran; er muss im Feuer verschmelzen.
13 Deine Unreinigkeit ist so verhärtet, dass, ob ich dich gleich reinigte, du dennoch nicht rein würdest; darum sollst du auch fürder nicht mehr rein werden, bis mein Grimm sich an dir gekühlt habe.
14 Ich, der HERR, habe es geredet, es soll kommen, ich will’s tun und nicht säumen, ich will nicht schonen noch mich’s reuen lassen; man wird dich richten, wie du gelebt und getan hast, spricht Gott der HERR.
15 Und des HERRN Wort geschah zu mir und sprach:
16 Du Menschenkind, siehe, ich will dir deiner Augen Lust nehmen durch eine Plage; doch sollst du nicht klagen noch weinen noch eine Träne vergießen.
17 Verhalte dein Seufzen und halte keine Totenklage, sondern binde dir deinen Kopfbund um und ziehe deine Schuhe an; du sollst deinen Mund nicht verhüllen und nicht der Leute Brot essen.
18 Und da ich des Morgens früh zum Volk redete, starb mir des Abends mein Weib. Und ich tat des andern Morgens, wie mir befohlen war.
19 Er befahl es, ehe sie starb, nicht danach. Das ist der ganze Unterschied zwischen einer Vorschrift und einer Zumutung, und der Prophet trug ihn öffentlich, ohne dass jemand ihm die Wahl gelassen hätte, ob er ihn tragen wollte.
20 Und das Volk sprach zu mir: Willst du uns nicht anzeigen, was uns das bedeutet, was du tust?
21 Da sprach ich zu ihnen: Der HERR hat zu mir geredet und gesagt: Sage dem Hause Israel: So spricht Gott der HERR: Siehe, ich will mein Heiligtum, euren höchsten Trost, die Lust eurer Augen und die Sehnsucht eures Herzens entheiligen, und ihr müsst tun, wie ich getan habe: nicht klagen, nicht weinen, mit Schuhen an den Füßen einhergehen und um eurer Sünde willen nur untereinander seufzen.
22 Und soll also Hesekiel euch ein Wahrzeichen sein, dass ihr alles tun müsst, wie er getan hat, wenn es nun kommen wird, damit ihr erfahret, dass ich der HERR bin.