Die Fake-Bibel

Hiob

Kapitel 1
Der Referenzkunde

✦ ✦ ✦

1 Es war ein Mann im Lande Uz, der hieß Hiob; und derselbe war schlecht und recht, gottesfürchtig und mied das Böse, und er führte diese drei Eigenschaften nie im selben Satz wie seinen Kontostand, obwohl es dafür reichlich Gelegenheit gab.

2 Und er hatte sieben Söhne und drei Töchter.

3 Und seines Viehs waren siebentausend Schafe, dreitausend Kamele, fünfhundert Joch Rinder und fünfhundert Eselinnen und sehr viel Gesinde, sodass dieser Mann größer war als alle, die gegen Osten wohnten, und niemand fragte, wovon.

4 Seine Söhne aber gingen und hielten Gastmahl, ein jeglicher in seinem Hause an seinem Tage, und luden ihre drei Schwestern ein, mit ihnen zu essen und zu trinken.

5 Und wenn die Tage des Gastmahls um waren, sandte Hiob hin und heiligte sie und opferte für einen jeglichen ein Brandopfer, denn er dachte: Meine Söhne möchten gesündigt und Gott abgesagt haben in ihrem Herzen. Also tat Hiob allezeit, auf Verdacht, wie ein Mann, der seine Versicherung schon vor dem Schadensfall bezahlt.

6 Es begab sich aber auf einen Tag, dass die Kinder Gottes kamen und vor den HERRN traten, und der Satan kam auch unter ihnen.

7 Der HERR aber sprach zu dem Satan: Wo kommst du her? Der Satan antwortete und sprach: Ich habe das Land durchzogen und durchwandelt. Er sagte nicht, in wessen Auftrag; das stand in keiner Akte, die man ihm hätte vorhalten können.

8 Der HERR sprach zu dem Satan: Hast du acht auf meinen Knecht Hiob gehabt? Denn es ist seinesgleichen nicht auf Erden, schlecht und recht, gottesfürchtig, und meidet das Böse.

9 Der Satan antwortete: Meinst du, dass Hiob umsonst Gott fürchtet?

10 Hast du nicht ihn, sein Haus und alles, was er hat, ringsherum verzäunt? Du hast das Werk seiner Hände gesegnet, und sein Gut hat sich ausgebreitet im Lande. Wer nur betet, weil sich das Portfolio gut entwickelt, betet nicht - er hält nur den Kurs.

11 Aber recke deine Hand aus und taste an alles, was er hat, was gilt’s, er wird dir ins Angesicht absagen.

12 Der HERR sprach zum Satan: Siehe, alles, was er hat, sei in deiner Hand; allein an ihn selbst lege deine Hand nicht. Und der Satan ging aus von dem Angesicht des HERRN, und was blieb, war ein Testprotokoll, dessen einziger Proband nichts von seiner Teilnahme wusste.

13 Und es begab sich auf einen Tag, dass seine Söhne und Töchter aßen und tranken Wein im Hause ihres erstgeborenen Bruders.

14 Da kam ein Bote zu Hiob und sprach: Die Rinder pflügten, und die Eselinnen gingen neben ihnen auf der Weide, da fielen die aus Saba her und nahmen sie und schlugen die Knechte mit der Schärfe des Schwerts; und ich bin allein entronnen, dass ich dir’s ansagte.

15 Da er noch redete, kam ein anderer und sprach: Das Feuer Gottes fiel vom Himmel und verzehrte Schafe und Knechte; und ich bin allein entronnen, dass ich dir’s ansagte.

16 Da dieser noch redete, kam ein anderer und sprach: Die Chaldäer machten drei Rotten und überfielen die Kamele und erschlugen die Knechte mit der Schärfe des Schwerts; und ich bin allein entronnen, dass ich dir’s ansagte.

17 Da dieser noch redete, kam ein anderer und sprach: Deine Söhne und Töchter aßen und tranken im Hause ihres erstgeborenen Bruders, und siehe, da kam ein großer Wind von der Wüste her und stieß auf die vier Ecken des Hauses, dass es auf die jungen Leute fiel und sie starben; und ich bin allein entronnen, dass ich dir’s ansagte. Vier Boten, vier Meldungen, keine einzige davon an einen Menschen adressiert, der noch etwas hätte ändern können.

18 Da stand Hiob auf und zerriss sein Kleid und schor sein Haupt und fiel auf die Erde und betete an.

19 Und sprach: Nackt bin ich von meiner Mutter Leibe gekommen, nackt werde ich wieder dahinfahren. Der HERR hat’s gegeben, der HERR hat’s genommen; der Name des HERRN sei gelobt.

20 In diesem allem sündigte Hiob nicht und tat nichts Törichtes wider Gott. Der Verlierer der Wette hatte nicht einmal erfahren, dass eine Wette lief; nur der Gewinner wusste es, und das machte ihn nicht zum Besseren der beiden.