Die Fake-Bibel

Jesaja

Kapitel 6
Wen soll ich senden

✦ ✦ ✦

1 In dem Jahr, da der König Usija starb, sah ich den Herrn sitzen auf einem hohen und erhabenen Stuhl, und sein Saum füllte den Tempel.

2 Seraphim standen über ihm; ein jeglicher hatte sechs Flügel: mit zweien deckten sie ihr Antlitz, mit zweien deckten sie ihre Füße, und mit zweien flogen sie.

3 Und einer rief zum andern und sprach: Heilig, heilig, heilig ist der HERR Zebaoth, alle Lande sind seiner Ehre voll.

4 Dass die Überschwellen bebten von der Stimme ihres Rufens, und das Haus ward voll Rauchs.

5 Da sprach ich: Weh mir, ich vergehe! Denn ich bin unreiner Lippen und wohne unter einem Volk von unreinen Lippen; denn ich habe den König, den HERRN Zebaoth, gesehen mit meinen Augen.

6 Da flog der Seraphim einer zu mir und hatte eine glühende Kohle in der Hand, die er mit der Zange vom Altar nahm.

7 Und rührte meinen Mund an und sprach: Siehe, hiermit sind deine Lippen gerührt, dass deine Missetat von dir genommen werde und deine Sünde versöhnt sei.

8 Es war kein Werkzeug, das er in der Hand hielt, und doch berührte es mich, und das Berührte war danach ein anderes. Halten wir uns hier auf, denn dies ist der einzige Vers im ganzen Buch, den man nicht klüger machen darf, indem man ihn erklärt.

9 Und ich hörte die Stimme des Herrn, dass er sprach: Wen soll ich senden? Wer will unser Bote sein? Ich aber sprach: Hier bin ich, sende mich.

10 Und er sprach: Gehe hin und sprich zu diesem Volk: Höret’s und verstehet’s nicht; sehet’s und merket’s nicht.

11 Verstocke das Herz dieses Volks und lass ihre Ohren hart sein und blende ihre Augen, dass sie nicht sehen mit ihren Augen noch hören mit ihren Ohren noch verstehen mit ihrem Herzen und sich bekehren und genesen.

12 Da sprach ich: Herr, wie lange? Er aber sprach: Bis dass die Städte wüst werden ohne Einwohner und die Häuser ohne Leute und das Feld ganz wüst liege.

13 Denn der HERR wird die Leute fern wegtun, dass das Land sehr verlassen wird.

14 Ist aber noch ein Zehnteil darin, so wird es wiederum verheert werden, doch wie eine Eiche und Linde einen Stamm haben, wenn sie schon abgehauen sind. Ein heiliger Same wird ihr Stamm sein.

15 Man hat später gefragt, warum ein Gott, der senden will, zuerst darum bittet, dass man nicht verstehe. Die Antwort steht nicht in diesem Kapitel. Wer sie hier sucht, hat den Ehrfurcht dieses Kapitels bereits verlassen.