Die Fake-Bibel

Johannes

Kapitel 5
Die Warteliste

✦ ✦ ✦

1 Danach war ein Fest der Juden, und Jesus zog hinauf gen Jerusalem.

2 Es ist aber zu Jerusalem beim Schaftor ein Teich, der heißt auf hebräisch Bethesda, und hat fünf Hallen.

3 In denselben lagen viele Kranke, Blinde, Lahme, Verdorrte, die warteten, wann sich das Wasser bewegte. Es war das älteste Wartezimmer der Welt, und die Reihenfolge, in der man aufgerufen wurde, hatte mit der Schwere des Leidens nichts zu tun.

4 Es war aber daselbst ein Mensch, achtunddreißig Jahre krank gelegen.

5 Da Jesus ihn sah liegen und vernahm, dass er so lange gelegen hatte, spricht er zu ihm: Willst du gesund werden?

6 Der Kranke antwortete ihm: Herr, ich habe keinen Menschen, wenn das Wasser sich bewegt, der mich in den Teich lasse; und wenn ich komme, so steigt ein anderer vor mir hinein. Es war die ehrlichste Beschreibung eines Systems, die dieses Buch kennt: Nicht wer am kränksten ist, kommt zuerst dran, sondern wer den schnelleren Nachbarn hat.

7 Jesus spricht zu ihm: Stehe auf, nimm dein Bett und gehe hin. Und alsbald ward der Mensch gesund und nahm sein Bett und ging hin. Er hatte auf einen Platz in der Halle gewartet und bekam stattdessen die Halle selbst nicht mehr nötig.

8 Es war aber desselben Tages der Sabbat.

9 Da sprachen die Juden zu dem, der geheilt worden war: Es ist heute Sabbat, es ziemt dir nicht, das Bett zu tragen. Er antwortete: Der mich gesund machte, der sprach zu mir: Nimm dein Bett und gehe hin.

10 Da fragten sie ihn: Wer ist der Mensch, der zu dir gesagt hat: Nimm dein Bett und gehe hin? Der aber geheilt worden war, wusste nicht, wer es war; denn Jesus war gewichen, da so viel Volks an dem Ort war.

11 Danach fand ihn Jesus im Tempel und sprach zu ihm: Siehe zu, du bist gesund geworden; sündige hinfort nicht mehr, dass dir nicht etwas Ärgeres widerfahre.

12 Der Mensch ging hin und verkündete es den Juden, es sei Jesus, der ihn gesund gemacht habe.

13 Darum verfolgten die Juden Jesum und suchten ihn zu töten, dass er solches getan hatte am Sabbat.

14 Jesus aber antwortete ihnen: Mein Vater wirkt bisher, und ich wirke auch. Es war die kürzeste Verteidigung, die je vor einem Gremium gehalten wurde, und sie machte alles nur schlimmer, weil er sich damit dem Vater gleichgestellt hatte.

15 Darum trachteten ihm die Juden viel mehr nach, dass sie ihn töteten, dass er nicht allein den Sabbat brach, sondern sagte auch, Gott sei sein Vater, und machte sich selbst Gott gleich.

16 Da antwortete Jesus: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Der Sohn kann nichts von sich selber tun, denn was er sieht den Vater tun; denn was dieser tut, das tut gleicherweise auch der Sohn.

17 Wer mein Wort hört und glaubt dem, der mich gesandt hat, der hat das ewige Leben und kommt nicht in das Gericht, sondern er ist vom Tode zum Leben hindurchgedrungen.

18 Es kommt die Stunde, in welcher alle, die in den Gräbern sind, werden seine Stimme hören und werden hervorgehen. Es war die einzige Ankündigung in der Schrift, bei der niemand nach der genauen Uhrzeit fragte.

19 Ihr forschet in der Schrift, denn ihr denket, ihr habet das ewige Leben darin; und sie ist’s, die von mir zeuget; und ihr wollt nicht zu mir kommen, dass ihr das Leben haben möchtet.

20 Wie könnt ihr glauben, die ihr Ehre voneinander nehmet? Meint ihr, ich werde euch verklagen bei dem Vater? Es ist einer, der euch verklagt, Mose, auf welchen ihr hoffet. Denn so ihr Mose glaubtet, so glaubtet ihr auch mir; denn er hat von mir geschrieben.