Kapitel 22
Die Delegation, die zuerst fragte
✦ ✦ ✦
1 Da rief Josua die Rubeniter, die Gaditer und den halben Stamm Manasse zu sich und sprach zu ihnen: Ihr habt gehalten alles, was euch Mose, der Knecht des HERRN, geboten hat, und ihr habt meiner Stimme gehorcht in allem, was ich euch geboten habe.
2 So kehrt nun heim zu euren Hütten, in das Land eures Erbes, das euch Mose gegeben hat jenseits des Jordans. Und Josua segnete sie und entließ sie, und sie zogen zu ihren Hütten.
3 So zogen die Rubeniter und die Gaditer und der halbe Stamm Manasse zurück von den Kindern Israel aus Silo, das im Lande Kanaan liegt, um in das Land Gilead zu ziehen, das Land ihres Erbes.
4 Und da sie kamen an die Steinhaufen des Jordans, die im Lande Kanaan liegen, bauten die Rubeniter, die Gaditer und der halbe Stamm Manasse daselbst einen Altar am Jordan, einen Altar, groß von Ansehen.
5 Sie hatten kein Wort dazu gesagt, an niemanden geschrieben, keine Genehmigung eingeholt. Sie bauten ihn einfach, an der Grenze, auf dem Weg nach Hause, und zogen weiter.
6 Und die Kinder Israel hörten davon sagen: Siehe, die Kinder Ruben und die Kinder Gad und der halbe Stamm Manasse haben einen Altar gebaut gegenüber dem Lande Kanaan, an den Grenzen des Jordans, auf der Seite der Kinder Israel.
7 Und da die Kinder Israel das hörten, versammelte sich die ganze Gemeinde gen Silo, um wider sie hinaufzuziehen mit einem Heer.
8 Man beachte die Geschwindigkeit: zwischen dem Hören der Nachricht und dem Beschluss, Krieg gegen die eigenen Brüder zu führen, lag kein einziger Bote, der gefragt hätte, warum. Der Altar war noch nicht einmal einen Monat alt, und schon stand ein Heer bereit, ihn niederzureißen samt denen, die ihn gebaut hatten.
9 Doch zuvor sandten die Kinder Israel zu den Rubenitern und Gaditern und dem halben Stamm Manasse den Priester Pinhas, den Sohn Eleasars, und mit ihm zehn Fürsten, aus jedem Stamm einen.
10 Diese kamen zu den Rubenitern und Gaditern und dem halben Stamm Manasse in das Land Gilead und redeten mit ihnen und sprachen: So spricht die ganze Gemeinde des HERRN: Was ist das für ein Frevel, den ihr begangen habt wider den Gott Israels, dass ihr euch heute von der Nachfolge des HERRN abwendet, indem ihr euch einen Altar baut, um euch heute wider den HERRN zu empören?
11 Man hatte einen Priester geschickt und nicht einen General, zehn Fürsten und nicht ein Heer. Es war der einzige Unterschied zwischen diesem Krieg und jedem anderen in diesem Buch: dass er erst gefragt und dann erst geführt werden sollte, und nicht umgekehrt.
12 Da antworteten die Rubeniter, die Gaditer und der halbe Stamm Manasse den Häuptern der Tausendschaften Israels: Der HERR, der Gott der Götter, der HERR, der Gott der Götter, er weiß es, und Israel soll es auch wissen: Wenn es aus Empörung oder Treubruch wider den HERRN geschah, so helfe er uns heute nicht.
13 Sondern wir haben dies aus Sorge getan, weil wir dachten: Künftig könnten eure Kinder zu unseren Kindern sagen: Was habt ihr mit dem HERRN, dem Gott Israels, zu schaffen? Der HERR hat den Jordan zur Grenze gesetzt zwischen uns und euch; ihr habt keinen Teil am HERRN.
14 Darum haben wir gesagt: Wir wollen uns einen Altar bauen, nicht zum Brandopfer, nicht zum Schlachtopfer, sondern zum Zeugnis zwischen uns und euch und unseren Nachkommen nach uns, dass wir dem Dienst des HERRN vor ihm dienen dürfen, und dass eure Kinder nicht künftig zu unseren Kindern sagen: Ihr habt keinen Teil am HERRN.
15 Der Altar hatte also nie geraucht, nie ein Opfer gesehen, und war doch beinahe der Grund für einen Bürgerkrieg geworden. Er war ein Denkmal, kein Tempel - errichtet aus Angst vor einer Ausgrenzung, die in diesem Moment noch gar nicht stattgefunden hatte, sondern erst in der Zukunft ihrer Enkel befürchtet wurde.
16 Da das der Priester Pinhas und die Fürsten der Gemeinde hörten, gefiel es ihnen wohl. Und Pinhas sprach: Heute erkennen wir, dass der HERR unter uns ist, weil ihr diesen Frevel nicht begangen habt wider den HERRN.
17 Nun habt ihr die Kinder Israel errettet aus der Hand des HERRN. Und Pinhas kehrte zurück mit den Fürsten und brachte den Kindern Israel Antwort, und es gefiel ihnen, und sie lobten Gott und redeten nicht mehr davon, hinaufzuziehen mit einem Heer.
18 Und die Rubeniter und die Gaditer nannten den Altar: Zeuge, denn er soll zwischen uns Zeuge sein, dass der HERR Gott ist.
19 Ein Missverständnis, ein Heer bereits versammelt, und am Ende ein einziger Satz, der alles auflöste: Wir haben es nicht getan, um euch zu verlassen, sondern um nicht vergessen zu werden. Es ist erstaunlich, wie selten dieser Satz seither gesagt wird, ehe die Waffen sprechen, und wie zuverlässig er wirkt, wenn man ihn tatsächlich fragt.
20 Dieses Verfahren - erst senden, erst fragen, dann erst rüsten - wird in diesem Buch kein zweites Mal angewendet. Es hätte, ordentlich verwaltet, sehr viel spätere Kriege überflüssig gemacht.