Kapitel 6
Die Prozedur
✦ ✦ ✦
1 Jericho aber war verschlossen und verwahrt vor den Kindern Israel, dass niemand aus- oder einging.
2 Und der HERR sprach zu Josua: Siehe da, ich habe Jericho in deine Hände gegeben mit seinem König und den Kriegsleuten.
3 Lasst alle Kriegsmänner rings um die Stadt her gehen einmal des Tages; also sollst du sechs Tage tun.
4 Und sieben Priester sollen sieben Posaunen des Halljahrs tragen vor der Lade her, und am siebenten Tage sollt ihr siebenmal um die Stadt gehen, und die Priester sollen die Posaunen blasen.
5 Und wenn man den Halljahrshörnern bläst, so lasst das ganze Volk ein großes Feldgeschrei machen, so werden der Stadt Mauern umfallen, und das Volk soll hineinsteigen, ein jeder stracks vor sich.
6 Sechs Tage lang zog eine bewaffnete Menge schweigend um eine Stadt, die nichts weiter tat, als zuzuschauen. Von den Mauern aus muss es ausgesehen haben wie eine Übung, deren Sinn absichtlich nicht erklärt wurde, und genau das war der Sinn.
7 In der Stadt aber lebten Menschen, die am ersten Tag noch ihre Arbeit verrichteten, am zweiten Tag die Tore prüften, am dritten Tag anfingen, in Flüstertönen zu reden. Sie hatten sechs Tage Zeit zu begreifen, was kommen würde, und keine, es zu verhindern.
8 Am siebenten Tage aber standen sie früh auf, da die Morgenröte aufging, und gingen rings um die Stadt auf diese Weise siebenmal; allein an diesem Tage gingen sie siebenmal um die Stadt.
9 Und am siebenten Mal, da die Priester die Posaunen bliesen, sprach Josua zum Volk: Machet ein Feldgeschrei, denn der HERR hat euch die Stadt gegeben.
10 Und das Volk machte ein Feldgeschrei, und man blies die Posaunen. Und da das Volk den Hall der Posaunen hörte, machte es ein großes Feldgeschrei; da fiel die Mauer um, und das Volk erstieg die Stadt, ein jeglicher stracks vor sich, und sie gewannen die Stadt.
11 Und sie verbannten alles, was in der Stadt war, mit der Schärfe des Schwerts, Mann und Weib, jung und alt, dazu Ochsen, Schafe und Esel.
12 Über die Zahl derer, die an diesem Vormittag starben, führt der Text kein Verzeichnis. Sie hatten Namen, Küchen, Betten, einen letzten Morgen, der wie jeder andere anfing. Nur die zwei Kundschafter und die Familie in einem Haus mit rotem Seil hatten das Glück, in dieser Aufzählung überhaupt namentlich vorzukommen.
13 Aber Josua sprach zu den zwei Männern, die das Land ausgekundschaftet hatten: Gehet in das Haus der Hure und führet das Weib von dannen heraus mit allem, was sie hat, wie ihr ihr geschworen habt.
14 Da gingen die Jünglinge, die Kundschafter, hinein und führten Rahab heraus samt ihrem Vater, ihrer Mutter, ihren Brüdern und allem, was sie hatte, und brachten sie außerhalb des Lagers Israels.
15 Aber die Stadt verbrannten sie mit Feuer und alles, was darin war; allein das Silber, Gold und die ehernen und eisernen Gefäße gaben sie zum Schatz in das Haus des HERRN.
16 Man beachte, was verschont blieb und was nicht: Metall kam in den Schatz, Menschen kamen ins Verzeichnis der Toten. Der Krieg hatte, kaum begonnen, schon seine Prioritäten geklärt.
17 Und Josua verfluchte zu der Zeit und sprach: Verflucht sei der Mann vor dem HERRN, der sich aufmacht und diese Stadt Jericho baut. Wenn er den Grund legt, das koste ihn seinen ersten Sohn, und wenn er die Tore setzt, das koste ihn seinen jüngsten.
18 Also war der HERR mit Josua, dass man von ihm sagte in allen Landen. Und die Stadt, deren Mauern in einem einzigen Morgen fielen, blieb Jahrhunderte lang eine Ruine, an der jeder Wiederaufbau mit einem Kindergrab bezahlt wurde - die dauerhafteste Klausel des ganzen Feldzugs.