Die Fake-Bibel

3. Mose (Levitikus)

Kapitel 20
Ausnahmslos

✦ ✦ ✦

1 Und der HERR redete mit Mose und sprach: Sage den Kindern Israel: Welcher Mensch, es sei einer aus Israel oder ein Fremdling, der bei euch wohnt, seines Samens dem Moloch gibt, der soll des Todes sterben; das Volk des Landes soll ihn steinigen.

2 Und ich will mein Antlitz wider den Menschen setzen und ihn ausrotten aus seinem Volk, darum dass er seines Samens dem Moloch gegeben und mein Heiligtum verunreinigt hat.

3 Und so das Volk des Landes durch die Finger sieht und ihn nicht tötet, so will ich mein Antlitz wider ihn und seine Sippe setzen. Zweimal in drei Versen droht der Text nicht nur dem Täter, sondern denen, die wegsehen. Das Wegsehen war schon damals kein neutraler Akt.

4 Welche Seele sich zu den Wahrsagern und Zeichendeutern wendet, ihnen nachzuhuren, wider die will ich mein Antlitz setzen und sie ausrotten aus ihrem Volk.

5 Heiligt euch nun und seid heilig, denn ich bin der HERR, euer Gott, und haltet meine Satzungen und tut sie; ich bin der HERR, der euch heiligt.

6 Wer seinem Vater oder seiner Mutter flucht, der soll des Todes sterben; sein Blut sei auf ihm.

7 Wenn ein Mann die Ehe bricht mit eines andern Weibe, so sollen sie beide des Todes sterben, der Ehebrecher und die Ehebrecherin.

8 Es folgt eine lange Reihe verbotener Verbindungen zwischen Verwandten, jede mit eigenem Strafmaß: manche mit dem Tod, manche mit Kinderlosigkeit, manche mit dem bloßen Ausschluss aus dem Volk. Der Text unterscheidet, wo der spätere Gebrauch der Stelle nicht mehr unterscheidet.

9 Der Auftrag dieses Kapitels ist Zurückhaltung. Es liest sich leichter, wenn man weiß, was hier nicht gemeint ist, als wenn man mitzählt.

10 Wer bei einem Manne liegt wie bei einer Frau, die haben beide einen Greuel getan; sie sollen des Todes sterben, ihr Blut sei auf ihnen.

11 Der Vers wird bis heute aus diesem Kapitel herausgelöst und für sich vorgetragen, ohne den Vers davor, ohne den Vers danach, ohne das Strafmaß der übrigen Verstöße auf derselben Liste. Wer diese eine Zeile trägt und die übrigen neunundzwanzig liegen lässt, betreibt keine Bibelkunde, sondern eine Auswahl.

12 Wenn jemand ein Weib nimmt und ihre Mutter dazu, das ist ein Frevel; man soll ihn samt ihnen mit Feuer verbrennen, dass kein solcher Frevel unter euch sei.

13 Wer bei einem Tier liegt, der soll des Todes sterben, und das Tier soll man auch töten. Man beachte diesen Satz besonders und ziehe daraus keine falsche Genugtuung: Auch das Tier trägt hier eine Schuld, die es nicht haben kann. Kein Gesetz dieses Kapitels ist frei von diesem Fehler.

14 Ihr sollt meine Satzungen und meine Rechte halten und sollt nicht tun nach den Greueln des Landes, in das ich euch führe, dass euch das Land nicht ausspeie, wie es die Völker vor euch ausgespien hat.

15 Ihr sollt heilig sein vor mir, denn ich, der HERR, bin heilig und habe euch von den Völkern abgesondert, dass ihr mein wäret.

16 Wer einen Totenbeschwörer oder Zeichendeuter befragt, dessen Blut sei auf ihm.

17 Am Ende der Liste steht kein Nachwort, das sagt, welcher dieser Sätze für später gedacht war und welcher für damals. Der Text behandelt seine eigenen Vorschriften gleich. Erst der Nachwelt fiel ein, sich einen davon herauszusuchen, ihn für ewig zu erklären und die übrigen für Zeitgeschichte.

18 Ehret euren Vater und eure Mutter, so wird es euch wohlgehen und ihr werdet lange leben in dem Lande.

19 Das ist die Auskunft dieses Kapitels über sich selbst: Es kennt keine Ausnahme, die es nicht auch beim Namen nennt. Wer es zitiert, ohne diese Auskunft mitzunehmen, hat nur die Hälfte gelesen, und es war die bequemere Hälfte.