Die Fake-Bibel

1. Samuel

Kapitel 20
Das Frühwarnsystem

✦ ✦ ✦

1 David aber floh von Najoth gen Rama und kam und sprach vor Jonathan: Was habe ich getan, was ist meine Missetat, was habe ich gesündigt vor deinem Vater, dass er nach meinem Leben trachtet?

2 Er sprach zu ihm: Das sei ferne, du wirst nicht sterben. Mein Vater tut nichts, weder Großes noch Kleines, das er mir nicht offenbare; warum sollte er mir dies verbergen? Es wird nicht so sein.

3 David aber schwur weiter und sprach: Dein Vater weiß wohl, dass ich Gnade vor deinen Augen gefunden habe, darum denkt er: Jonathan soll das nicht wissen, es möchte ihn bekümmern. So wahr der HERR lebt: es ist nur ein Schritt zwischen mir und dem Tod.

4 Jonathan sprach zu David: Was dein Herz begehrt, das will ich dir tun.

5 David sprach: Siehe, morgen ist Neumond, da sollte ich mit dem König zu Tische sitzen; so lass mich, dass ich mich verberge auf dem Felde bis zum dritten Abend.

6 Vermisst mich dein Vater, so sprich: David bat mich, dass er nach Bethlehem laufen dürfe zu seiner Stadt, denn dort ist ein jährliches Opfer für sein ganzes Geschlecht.

7 Spricht er: Es ist gut, so steht es gut um deinen Knecht; entbrennt er aber, so wisse, dass Böses bei ihm beschlossen ist.

8 So tue nun Barmherzigkeit an deinem Knecht, denn du hast einen Bund des HERRN mit deinem Knecht gemacht; ist aber eine Missetat an mir, so töte du mich selbst, warum wolltest du mich zu deinem Vater bringen?

9 Jonathan sprach: Das sei ferne von dir; wenn ich merke, dass Böses bei meinem Vater beschlossen ist, dir zu widerfahren, sollte ich dir das nicht ansagen? David aber sprach: Wer will mir’s ansagen, wenn dein Vater dir etwas Hartes antwortet? Jonathan sprach: Komm, lass uns aufs Feld gehen. Und sie gingen beide hinaus aufs Feld.

10 Und Jonathan sprach: Am dritten Tage will ich mit meinem Vater um diese Zeit reden; ist’s gut für David, sende ich nicht zu dir; verhandelt er aber Böses, will ich dich wissen lassen und dich ziehen lassen, dass du in Frieden gehst.

11 Der HERR sei mit dir, wie er mit meinem Vater gewesen ist. Und du wollest, so ich noch lebe, mir die Barmherzigkeit des HERRN erweisen; stürbe ich aber, so entziehe deine Barmherzigkeit nicht meinem Hause ewiglich.

12 Und Jonathan machte einen Bund mit dem Hause Davids, und der HERR fordere es von der Hand der Feinde Davids - er handelte damit, ohne es zu wissen, die einzige Absicherung aus, die sein eigenes Haus je überleben sollte.

13 Am dritten Tage nun saß der König zu Tische zu essen; Davids Platz aber blieb leer, und Saul sagte nichts, denn er dachte, ihm sei etwas widerfahren, dass er nicht rein sei.

14 Aber am andern Tage, dem zweiten des Neumonds, war Davids Platz wieder leer, und Saul sprach zu Jonathan, seinem Sohn: Warum ist der Sohn Isais weder gestern noch heute zu Tische gekommen?

15 Jonathan antwortete: David bat mich, dass er gen Bethlehem gehen dürfe; darum ist er nicht zu des Königs Tisch gekommen.

16 Da entbrannte der Zorn Sauls wider Jonathan, und er sprach zu ihm: Du Sohn der bösen, widerspenstigen Dirne, ich weiß wohl, dass du den Sohn Isais erkoren hast zu deiner und deiner Mutter Schande.

17 Denn solange der Sohn Isais lebt auf Erden, wirst weder du noch dein Königreich bestehen; so sende nun hin und lass ihn zu mir holen, denn er muss sterben. Und er schleuderte den Spieß nach Jonathan, ihn zu treffen.

18 Da merkte Jonathan, dass sein Vater fest beschlossen hatte, David zu töten, und stand vom Tisch auf und aß nichts an diesem zweiten Tage des Neumonds, und es tat ihm wehe um David, weil sein Vater ihn so geschändet hatte.

19 Am Morgen aber ging Jonathan aufs Feld, wie er David bestellt hatte, und ein kleiner Knabe mit ihm, und er schoss Pfeile und rief dem Knaben: Der Pfeil liegt jenseits von dir - das verabredete Zeichen, dass David fliehen müsse.

20 Drei Pfeile, ein Kind, das nichts von der Botschaft wusste, die es gerade überbrachte: der Königssohn hatte damit ein Meldesystem gebaut, das niemand abhören konnte, denn niemand außer den beiden wusste, dass es überhaupt eines war.

21 Und da der Knabe fort war, stand David auf von der Mittagsseite und fiel auf sein Antlitz zur Erde und verneigte sich dreimal, und sie küssten einander und weinten miteinander, David aber am meisten.

22 Und Jonathan sprach zu David: Geh hin in Frieden, wie wir beide geschworen haben im Namen des HERRN. Der HERR sei zwischen mir und dir, zwischen meinem Samen und deinem Samen ewiglich. Und David machte sich auf und ging hin, und Jonathan kam in die Stadt.