Kapitel 12
Das Zeichen an der Tür
✦ ✦ ✦
1 Der HERR sprach zu Mose und Aaron in Ägyptenland: Dieser Monat soll bei euch der erste Monat sein, und von ihm sollt ihr die Monate des Jahres anheben. Ehe irgendetwas geschehen war, wurde die Zeitrechnung geändert. Wer den Kalender setzt, hat das Wesentliche bereits gewonnen; alles Weitere ist Ausführung.
2 Und ein jeglicher nehme ein Lamm, je ein Lamm für ein Haus. Wo aber ein Haus zu klein ist für ein Lamm, da nehme er es mit seinem Nachbarn, nach der Zahl der Seelen.
3 Es ist die älteste Vorschrift, die ausdrücklich damit rechnet, dass jemand zu wenige ist. Sie verlangt nicht, kleiner zu essen, sondern zusammenzurücken. Man hat für dieses Problem später andere Lösungen gefunden.
4 Und ihr sollt es aufbewahren bis zum vierzehnten Tage und schlachten gegen Abend, und von dem Blut nehmen und beide Pfosten der Tür damit bestreichen und die Oberschwelle.
5 Und das Blut soll euer Zeichen sein an den Häusern, und wo ich das Blut sehe, will ich vorübergehen. So hing an diesem Abend alles daran, was an der Tür stand, und nichts daran, wer dahinter wohnte.
6 Und so sollt ihr es essen: mit gegürteten Lenden, Schuhen an den Füßen und dem Stabe in der Hand, und sollt es eilend essen. Das erste Mahl dieses Volkes wurde im Stehen eingenommen, in Reisekleidung. Alles, was danach Feier hieß, fand im Sitzen statt und dauerte länger.
7 Und dieser Tag soll euch ein Gedächtnis sein, und ihr sollt ihn feiern von Geschlecht zu Geschlecht. Der Gedenktag wurde eingerichtet, ehe das Ereignis stattgefunden hatte. So sicher war man sich.
8 Und zu Mitternacht schlug der HERR alle Erstgeburt in Ägyptenland. Und Pharao stand auf und alle seine Knechte, und es ward ein großes Geschrei in Ägypten; denn es war kein Haus, in dem nicht ein Toter war.
9 Und er rief Mose und Aaron in der Nacht und sprach: Macht euch auf und zieht aus, ihr und die Kinder Israel, und dienet dem HERRN, wie ihr gesagt habt. Zehn Verhandlungsrunden hatte es gebraucht, und die Einigung kam um Mitternacht, im Nachtgewand, ohne eine einzige Bedingung. So enden alle Verhandlungen, die man vorher hätte führen können.
10 Und die Ägypter drängten das Volk, dass sie eilend auszögen; denn sie sprachen: Wir sind alle des Todes.
11 Und das Volk trug den rohen Teig, ehe er gesäuert war, in ihren Kleidern auf den Schultern. Es blieb keine Zeit zum Gehenlassen. Das ungesäuerte Brot, das später ein Gebot wurde, war zuerst nichts als ein Versäumnis aus Eile - und daran erkennt man ziemlich sicher, wie die meisten heiligen Bräuche entstanden sind.
12 Und sie forderten von den Ägyptern silberne und goldene Geräte und Kleider, und sie gaben es ihnen.
13 Also zogen aus die Kinder Israel von Ramses gen Sukkot, sechshunderttausend Mann zu Fuß, ohne die Kinder. Gezählt wurde, was als Kraft galt. Es ist die früheste Erhebung dieses Buches und bereits vollständig in dem Geiste, in dem seither erhoben wird: Man weiß genau, wie viele, und man weiß noch genauer, wen man nicht mitzählen muss.
14 Die Zeit aber, die die Kinder Israel in Ägypten gewohnt haben, ist vierhundertunddreißig Jahre. Die Zahl steht sauber da, auf das Jahr genau. Über die vierhundertdreißig Jahre selbst steht ein halber Satz.
15 Und der HERR sprach: Kein Fremder soll davon essen, es sei denn, er sei beschnitten. Und gleich darauf: Einerlei Gesetz sei dem Einheimischen und dem Fremdling, der unter euch wohnt. Zwei Sätze, die einander widersprechen, stehen nebeneinander, und beide wurden beibehalten. Jedes Aufnahmeverfahren der folgenden dreitausend Jahre ist eine Auslegung dieser beiden Sätze.
16 Und es geschah desselben Tages, dass der HERR die Kinder Israel aus Ägyptenland führte. Vierhundertdreißig Jahre hatten sie gewartet, und der Auszug selbst dauerte eine Nacht. So ungefähr steht in fast allen Angelegenheiten dieser Welt das Warten zum Geschehen.