Kapitel 2
Die Probezeit
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1 So wurden vollendet Himmel und Erde mit ihrem ganzen Heer, pünktlich und im Budget - es blieb das einzige Projekt der Weltgeschichte, von dem man das sagen kann.
2 Und Gott ruhte am siebenten Tage von allen seinen Werken. Er nannte es nicht Faulheit, sondern Sabbat, und heiligte den Tag - die erste und letzte Arbeitszeitregelung, die je zugunsten der Arbeitenden ausgelegt wurde.
3 Der Mensch hat diesen Tag später übernommen, verkaufsoffen gemacht, mit Erreichbarkeit gefüllt und schließlich „flexibilisiert”. Gott hatte gesegnet, der Mensch hat optimiert.
4 Dies ist die Geschichte von Himmel und Erde, da sie geschaffen wurden: eine zweite Fassung derselben Ereignisse, denn schon damals galt: Wer die Geschichte zweimal erzählt, erzählt sie so, wie sie ihm besser passt.
5 Und Gott der HERR machte den Menschen aus Erde vom Acker und blies ihm den Odem des Lebens in seine Nase. Materialkosten: eine Handvoll Staub. Die Marge war beachtlich, und daran hat sich in der Behandlung des Menschen wenig geändert.
6 Und Gott der HERR pflanzte einen Garten in Eden gegen Osten und setzte den Menschen hinein - möbliert, Bestlage, alle Bäume lieblich anzusehen und gut zu essen. Es war das erste und letzte Mal, dass Wohnen nichts kostete.
7 Mitten im Garten aber standen der Baum des Lebens und der Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen. Man ließ beide gut sichtbar stehen, denn was wäre ein Paradies ohne etwas, das man nicht haben darf.
8 Und Gott der HERR nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, dass er ihn bebaute und bewahrte. So stand es in der Stellenbeschreibung: bebauen und bewahren. Vom Untertanmachen aus Kapitel eins war hier auffällig keine Rede mehr, aber der Mensch zitiert bis heute lieber die erste Fassung.
9 Und Gott der HERR gebot dem Menschen und sprach: Du darfst essen von allen Bäumen im Garten; aber von dem Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen sollst du nicht essen; denn an dem Tage, da du von ihm isst, musst du des Todes sterben.
10 Es waren die ersten Nutzungsbedingungen: ein einziger Absatz, klar formuliert, mit benannter Konsequenz. Alles, was danach kam, wurde länger, kleiner gedruckt und ungelesen akzeptiert.
11 Und Gott der HERR sprach: Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei; ich will ihm eine Gehilfin machen. Denn ein Mensch allein hat niemanden, mit dem er reden, den er lieben und dem er im Ernstfall die Schuld geben kann.
12 Und Gott der HERR machte aus Erde alle Tiere des Feldes und alle Vögel des Himmels und brachte sie zu dem Menschen, dass er sähe, wie er sie nennte. Es war das erste Praktikum: verantwortungsvolle Aufgabe, wertvolle Erfahrung, Vergütung: Obst.
13 Und der Mensch gab einem jeden Vieh und Vogel und Tier des Feldes seinen Namen. Damit war die Verwaltung erfunden, und die Tiere merkten zum ersten Mal, dass über sie entschieden wurde, ohne sie zu fragen. Sie sollten sich daran gewöhnen.
14 Aber für den Menschen ward keine Gehilfin gefunden, die um ihn wäre. Da ließ Gott der HERR einen tiefen Schlaf fallen auf den Menschen, und er nahm eine seiner Rippen und baute daraus eine Frau.
15 Man beachte die Reihenfolge der Werkstoffe: der Mann aus Ackerdreck, die Frau aus veredeltem Material. Diese Stelle wird selten gepredigt.
16 Da sprach der Mensch: Das ist doch Bein von meinem Bein und Fleisch von meinem Fleisch. Es war der erste Satz eines Mannes über eine Frau, und schon handelte er hauptsächlich von ihm selbst.
17 Darum wird ein Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen und seiner Frau anhangen, und sie werden sein ein Fleisch. Ein Fleisch - nicht ein Haushaltsvorstand und eine Zuarbeit; auch diese Stelle wird selten gepredigt.
18 Und sie waren beide nackt, der Mensch und seine Frau, und schämten sich nicht. Es gab ja auch noch niemanden, der ihnen etwas verkaufen wollte, das gegen die Scham hilft.