Kapitel 1
Der wachende Zweig
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1 Dies sind die Worte Jeremias, des Sohnes Hilkias, eines Priesters zu Anatot im Lande Benjamin, an den das Wort des HERRN erging in den Tagen Josias, des Königs von Juda.
2 Und das Wort des HERRN geschah zu ihm, ehe er selbst begriff, dass ihm ein Wort geschah, was das Übliche ist bei Berufungen und der Grund, weshalb sie sich hinterher nie freiwillig anfühlen.
3 Und der HERR sprach zu mir: Ehe ich dich im Mutterleibe bereitete, kannte ich dich, und ehe du von der Mutter geboren wurdest, sonderte ich dich aus und bestellte dich zum Propheten unter die Völker.
4 Es steht nicht: ehe ich dich schuf, hatte ich einen Plan für dich. Es steht: kannte ich dich. Zwischen einem Plan und einem Gekanntsein liegt der ganze Unterschied zwischen einer Spezifikation und einer Liebe.
5 Da sprach ich: Ach, Herr HERR, ich tauge nicht zu predigen, denn ich bin zu jung.
6 Der HERR aber sprach zu mir: Sage nicht, ich bin zu jung, sondern du sollst gehen, wohin ich dich sende, und predigen, was ich dir gebiete.
7 Fürchte dich nicht vor ihnen, denn ich bin bei dir und will dich erretten, spricht der HERR.
8 Und der HERR streckte seine Hand aus und rührte meinen Mund an und sprach zu mir: Siehe, ich lege meine Worte in deinen Mund.
9 Er berührte den Mund, nicht die Hand, die schreibt, und nicht das Auge, das liest. Wer die Stelle kennt, weiß seither, worauf es bei jeder Berufung wirklich ankommt: nicht auf das Werkzeug, sondern auf das, was durch es hindurch spricht.
10 Siehe, ich setze dich heute über Völker und Königreiche, dass du ausreißen und einreißen, zerstören und verderben, bauen und pflanzen sollst.
11 Und des HERRN Wort geschah zu mir und sprach: Was siehst du, Jeremia? Ich sprach: Ich sehe einen Zweig vom Mandelbaum.
12 Da sprach der HERR zu mir: Du hast recht gesehen, denn ich will wachen über mein Wort, dass ich’s tue. Der Mandelbaum erwacht im Land als Erster aus dem Winter, ehe noch ein anderer Baum davon weiß, und trägt seinen Namen zu Recht: der Wachende.
13 Und des HERRN Wort geschah zum andern Mal zu mir und sprach: Was siehst du? Ich sprach: Ich sehe einen siedenden Topf, und der ist gegen Mitternacht gekehrt.
14 Da sprach der HERR zu mir: Von Mitternacht her wird das Unglück ausbrechen über alle, die im Lande wohnen.
15 Denn siehe, ich will rufen alle Fürsten der Königreiche gegen Mitternacht, dass ein jeglicher seinen Stuhl setze vor die Tore Jerusalems und wider alle ihre Mauern umher.
16 Und ich will das Recht sprechen über sie um all ihrer Bosheit willen, dass sie mich verlassen und andern Göttern geräuchert haben und haben angebetet der Hände Werk.
17 So gürte nun deine Lenden und mache dich auf und predige ihnen alles, was ich dich heiße. Erschrick nicht vor ihnen, auf dass ich dich nicht erschrecke vor ihnen.
18 Denn siehe, ich will dich heute machen zur festen Stadt, zur eisernen Säule, zur ehernen Mauer im ganzen Lande, wider die Könige Judas, wider ihre Fürsten, wider ihre Priester, wider das Volk im Lande.
19 Und sie werden wider dich streiten, aber sie sollen dir nichts anhaben, denn ich bin bei dir, spricht der HERR, dass ich dich errette.