Kapitel 2
Die geborstenen Zisternen
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1 Und des HERRN Wort geschah zu mir und sprach: Gehe hin und predige zu Jerusalem und sprich: So spricht der HERR: Ich gedenke, da du eine freundliche, junge Braut warst und mir folgtest in der Wüste, im Lande, da man nichts sät.
2 Da war Israel des HERRN Eigentum und seine erste Ernte, und wer davon aß, machte sich schuldig, spricht der HERR.
3 Eure Väter fanden an mir keinen Mangel, und dennoch liefen sie mir nach, was eitel war, und wurden zuletzt selber eitel.
4 Die Priester fragten nicht: Wo ist der HERR? Die das Gesetz erklären, kannten mich nicht, die Hirten fielen von mir ab, und die Propheten weissagten durch Baal und liefen den Götzen nach, die nichts nützen.
5 Ich stritt mit euch und mit euren Kindeskindern werde ich streiten.
6 Denn zweifache Übeltat hat mein Volk begangen: Mich, die lebendige Quelle, haben sie verlassen und sich Zisternen gegraben, geborstene Zisternen, die kein Wasser halten.
7 Eine Zisterne fasst nur, was hineingetragen wurde, und gibt nur zurück, was in ihr faulte. Eine Quelle bringt hervor, was sie selbst nie besessen hat. Wer den Unterschied verwechselt, gräbt sein Leben lang und wundert sich über den Durst.
8 Ist Israel ein Knecht oder ein Hausgeborener? Warum ist er dann zur Beute geworden?
9 Die jungen Löwen brüllten über ihn und ließen ihre Stimme erschallen und machten sein Land zur Wüste, seine Städte sind verbrannt, dass niemand darin wohnt.
10 Ich hatte dich gepflanzt, einen edlen Weinstock, ganz von echtem Samen. Wie bist du mir denn geartet in einen bittern, wilden Weinstock?
11 Man sät Edelrebe und erntet Wildling, weil niemand nach dem Winzer fragte, sondern jeder nach dem Ertrag. Es ist die älteste Enttäuschung im Katalog und wird jedes Jahrhundert neu gemeldet, als wäre sie diesmal überraschend.
12 Und wenn du dich gleich mit Lauge wüschest und nähmst viel Seife dazu, so ist doch deine Missetat vor mir gezeichnet, spricht der HERR HERR.
13 Wie darfst du denn sagen: Ich bin nicht unrein, ich folge nicht den Baalim nach? Siehe, wie du dein Leben in Gründen verwaltest wie eine Dromedarin, die im Land hin und her läuft.
14 Man denkt sich die Rechtfertigung zuerst und sucht sich die Tatsache hinterher dazu, und weil das Verfahren so alt ist, hält es niemand mehr für ein Verfahren, sondern für Gewissen.
15 Wie ein Dieb erwischt wird, so mögen sich schämen das Haus Israel, sie, ihre Könige, ihre Fürsten, ihre Priester, ihre Propheten.
16 Sie sprechen zum Holz: Du bist mein Vater, und zum Stein: Du hast mich geboren. Denn sie kehren mir den Rücken zu und nicht das Angesicht.
17 Ein Vater aus Holz antwortet nie zurück und widerspricht nie und verlangt keine Rechenschaft. Man wählt sich die Väter, die schweigen, gerade weil man sich vor denen fürchtet, die reden könnten.
18 Wo sind nun deine Götter, die du dir gemacht hast? Lass sie aufstehen, ob sie dir helfen können in deiner Not, denn so viele Städte, so viele Götter hast du, Juda.
19 Es wird dich deine eigene Bosheit züchtigen, und dein Abfall wird dich strafen. Erkenne und sieh, wie böse und bitter es ist, dass du den HERRN, deinen Gott, verlässest und mich nicht mehr fürchtest.