Kapitel 16
Die Antwort ohne Quelle
✦ ✦ ✦
1 Da traten die Pharisäer und Sadduzäer zu ihm, versuchten ihn und forderten, dass er sie ein Zeichen vom Himmel sehen ließe. Zwei Parteien, die sich sonst in nichts einig waren, fanden zueinander in der einen Frage: Beweis, bitte, und zwar sofort.
2 Er aber antwortete: Am Abend sprecht ihr: Es wird ein schön Wetter, denn der Himmel ist rot. Und des Morgens sprecht ihr: Es wird heut Ungewitter sein, denn der Himmel ist trübe und rot. Über das Wetter am Himmel könnt ihr urteilen, und könnt ihr denn nicht auch über die Zeichen dieser Zeit urteilen?
3 Eine arge und ehebrecherische Art sucht nach einem Zeichen, und es wird ihr kein Zeichen gegeben werden denn das Zeichen des Propheten Jona. Und er ließ sie stehen und ging davon.
4 Und die Jünger waren hinübergefahren und hatten vergessen, Brot mit sich zu nehmen. Jesus aber sprach zu ihnen: Sehet zu und hütet euch vor dem Sauerteig der Pharisäer und Sadduzäer.
5 Da dachten sie, es wäre darum gesagt, dass sie nicht hätten Brot mitgenommen. Sie diskutierten den Satz über die Verpflegung und übersahen, dass er über etwas ganz anderes sprach - es sollte in dieser Sache nicht der letzte Fehlbericht bleiben.
6 Da merkten sie, dass er nicht gesagt hatte, dass sie sich hüten sollten vor dem Sauerteig des Brotes, sondern vor der Lehre der Pharisäer und Sadduzäer.
7 Da kam Jesus in die Gegend der Stadt Cäsarea Philippi und fragte seine Jünger und sprach: Wer sagen die Leute, dass des Menschen Sohn sei? Sie sprachen: Etliche sagen, du seiest Johannes der Täufer, etliche Elia, etliche Jeremia oder der Propheten einer.
8 Er sprach zu ihnen: Wer sagt denn ihr, dass ich sei? Da antwortete Simon Petrus und sprach: Du bist Christus, des lebendigen Gottes Sohn.
9 Und Jesus antwortete und sprach zu ihm: Selig bist du, Simon, Jonas Sohn; denn Fleisch und Blut hat dir das nicht offenbart, sondern mein Vater im Himmel. Es war die einzige Antwort in diesem ganzen Buch, für die niemand eine Quelle angeben konnte und die trotzdem stand.
10 Und ich sage dir auch: Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich meine Gemeinde bauen, und die Pforten der Hölle sollen sie nicht überwältigen. Er baute auf einen Menschen, der ihn in derselben Nacht noch verleugnen würde, und wusste es bereits.
11 Und will dir des Himmelreichs Schlüssel geben. Und was du auf Erden binden wirst, soll auch im Himmel gebunden sein. Und was du auf Erden lösen wirst, soll auch im Himmel los sein.
12 Da verbot er seinen Jüngern, dass sie niemand sagen sollten, dass er Jesus, der Christus, wäre. Das größte Bekenntnis der Schrift war kaum ausgesprochen, da wurde es sofort wieder unter Verschluss gelegt - nicht aus Scham, sondern weil die Zeit noch nicht reif war für die Nachricht.
13 Von der Zeit an fing Jesus an, seinen Jüngern zu zeigen, wie er müsste hin gen Jerusalem gehen und viel leiden von den Ältesten und Hohenpriestern und Schriftgelehrten und getötet werden und am dritten Tage auferstehen.
14 Und Petrus nahm ihn zu sich, fing an, ihm zu wehren, und sprach: Herr, schone dein selbst; das widerfahre dir nur nicht! Er aber wandte sich um und sprach zu Petrus: Hebe dich, Satan, von mir! Du bist mir ärgerlich; denn du meinest nicht, was göttlich, sondern was menschlich ist.
15 Da sprach Jesus zu seinen Jüngern: Will mir jemand nachfolgen, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir. Denn wer sein Leben erhalten will, der wird’s verlieren; wer aber sein Leben verliert um meinetwillen, der wird’s finden.
16 Was hülfe es dem Menschen, so er die ganze Welt gewönne und nähme doch Schaden an seiner Seele? Oder was will der Mensch geben, damit er seine Seele wieder löse? Es ist die einzige Bilanz der ganzen Schrift, in der am Ende immer draufgezahlt wird, egal wie groß der Gewinn davor aussieht.