Die Fake-Bibel

4. Mose (Numeri)

Kapitel 16
Recht und trotzdem falsch

✦ ✦ ✦

1 Und Korach, der Sohn Jizhars, des Sohnes Kahaths, des Sohnes Levis, samt Dathan und Abiram, den Söhnen Eliabs, und On, dem Sohn Peleths, den Söhnen Rubens, machten sich auf wider Mose, dazu zweihundertfünfzig Männer aus der Gemeinde, Ratsherren, Männer von Namen.

2 Und sie versammelten sich wider Mose und Aaron und sprachen zu ihnen: Ihr nehmt euch zu viel, denn die ganze Gemeinde ist überall heilig, und der HERR ist unter ihnen; warum erhebt ihr euch über die Versammlung des HERRN?

3 Man lese den Satz noch einmal, ohne zu wissen, wer ihn spricht: Er ist richtig. Die ganze Gemeinde war tatsächlich heilig erklärt worden, in Kapitel fünfzehn, an den Fransen ihrer Kleider. Korach hatte nichts erfunden. Er hatte nur zitiert.

4 Und Mose, da er das hörte, fiel auf sein Angesicht und sprach zu Korach: Morgen wird der HERR kundtun, wer sein ist und wer heilig ist, dass er ihn zu sich lasse. Nehmet Pfannen, tut Feuer und Räuchwerk darauf, und wir werden sehen, wen der HERR erwählt.

5 Es war ein faires Angebot, und Mose wusste es. Wer im Recht ist, kann sich auf ein Verfahren einlassen; die Frage, ob Korach im Recht war oder nur im Vorteil, blieb dabei unbeantwortet und ist es bis heute.

6 Und Mose sandte hin, Dathan und Abiram zu rufen. Sie aber sprachen: Wir kommen nicht hinauf. Ist’s nicht genug, dass du uns aus einem Lande geführt hast, darin Milch und Honig fließt, um uns in der Wüste sterben zu lassen, dass du auch noch über uns herrschen willst?

7 So hatten auch sie recht: Das Land war noch immer nicht erreicht, und Ägypten, aus dem sie geflohen waren, hatten sie in ihrer Erinnerung bereits zum Schlaraffenland gemacht. Zwei Männer stritten hier mit Mose, und beide stritten mit einer Wahrheit, die nur die halbe war.

8 Da ergrimmte Mose sehr und sprach zum HERRN: Sieh nicht an ihr Speisopfer! Ich habe nicht einmal einen Esel von ihnen genommen und keinem unter ihnen ein Leid getan. Er verteidigte sich mit seiner Bilanz, weil er wusste: Gegen einen Vorwurf, der teilweise stimmt, hilft nur, was ganz stimmt.

9 Und Korach versammelte wider sie die ganze Gemeinde vor der Tür der Hütte des Stifts. Da erschien die Herrlichkeit des HERRN vor der ganzen Gemeinde.

10 Und der HERR redete mit Mose und Aaron und sprach: Scheidet euch von dieser Gemeinde, dass ich sie plötzlich vertilge. Sie fielen auf ihr Angesicht und sprachen: Wird ein Mann sündigen, und du willst über die ganze Gemeinde zürnen?

11 Es ist der einzige Einwand des ganzen Kapitels, den niemand widerlegt hat: dass Kollektivstrafe unlogisch ist. Er kam von den beiden, die am wenigsten Grund hatten, ihn vorzubringen, und er wurde erhört.

12 Da tat sich die Erde auf unter ihnen und verschlang sie mit Haus und Habe und allem, was ihnen angehörte, mit Weib und Kind, lebendig, und sie fuhren hinab in die Grube, und die Erde deckte sie zu, und sie kamen um aus der Gemeinde.

13 Und ein Feuer ging aus vom HERRN und fraß die zweihundertfünfzig Männer, die das Räuchwerk opferten. Von den Anführern blieb nichts übrig als die Frage, ob sie im Recht gewesen waren; die Frage blieb übrig, weil niemand mehr da war, sie zu stellen.

14 Und der HERR sprach zu Mose: Heiß Eleasar die ehernen Pfannen aufheben aus dem Brand, denn sie sind geheiligt, und schlage sie zu Blechen, die Wand des Altars zu überziehen, zum Gedächtnis den Kindern Israel, dass kein Fremder, der nicht von Aarons Samen ist, sich nahe, Räuchwerk zu opfern, dass es ihm nicht gehe wie Korach.

15 So wurden die Räucherpfannen der Verstorbenen zu einem Schild am Altar verarbeitet. Man erinnerte sich an sie, indem man aus ihrer Ausrüstung eine Warntafel machte, und diese Wiederverwertung war die einzige Ehre, die ihnen zuteilwurde.

16 Am andern Morgen aber murrte die ganze Gemeinde wider Mose und Aaron und sprach: Ihr habt des HERRN Volk getötet. Da fuhr ein Zorn aus vom HERRN, und eine Plage begann unter dem Volk.

17 Und Mose sprach zu Aaron: Nimm die Pfanne und Feuer vom Altar, tu Räuchwerk daran und geh eilend unter die Gemeinde und versöhne sie, denn der Zorn ist ausgegangen vom HERRN.

18 Und Aaron lief mitten unter die Versammlung, wo die Plage schon begonnen hatte im Volk, und tat Räuchwerk auf und versöhnte das Volk und stand zwischen den Toten und den Lebendigen. Da ward der Plage gewehrt.

19 Es ist der ruhigste Vers dieses Kapitels: ein alter Mann mit einer Pfanne, stehend zwischen den Leichen und den Lebenden, bis die Zahlen aufhörten zu wachsen. Kein Wunder wird hier laut erzählt; es geschah einfach, weil einer sich dazwischenstellte.

20 Es starben aber an der Plage vierzehntausend und siebenhundert, außer denen, die um Korachs willen umkamen. Die Zahlen dieses Kapitels sind vollständig überliefert. Die Antwort auf Korachs Frage ist es nicht.