Kapitel 2
Der Richter im eigenen Fall
✦ ✦ ✦
1 Darum, o Mensch, kannst du dich nicht entschuldigen, wer du auch bist, der du richtest. Denn worin du einen andern richtest, verdammst du dich selbst, sintemal du eben dasselbe tust, was du richtest.
2 Wir wissen aber, dass Gottes Urteil ist recht über die, so solches tun. Denkst du aber, o Mensch, der du richtest die, die solches tun, und tust auch dasselbe, dass du dem Urteil Gottes entrinnen werdest?
3 Oder verachtest du den Reichtum seiner Güte, Geduld und Langmütigkeit? Weißt du nicht, dass dich Gottes Güte zur Buße leitet? Er hätte auch anders können: eine Mahnung, eine Frist, eine Sperrung des Zugangs. Er wählte Geduld, und das war schon immer die teurere Option.
4 Du aber nach deinem verstockten und unbußfertigen Herzen häufst dir selbst den Zorn auf den Tag des Zorns und der Offenbarung des gerechten Gerichtes Gottes.
5 Welcher geben wird einem jeglichen nach seinen Werken: Preis und Ehre und unvergängliches Wesen denen, die mit Geduld in guten Werken trachten nach dem ewigen Leben. Denen aber, die zänkisch sind und der Wahrheit nicht gehorchen, Trübsal und Angst.
6 Es wird aber sein Trübsal und Angst über alle Seelen der Menschen, die Böses tun, vornehmlich der Juden und auch der Griechen. Preis aber und Ehre und Friede allen denen, die Gutes tun, vornehmlich den Juden und auch den Griechen.
7 Denn es ist kein Ansehen der Person vor Gott. Welche ohne Gesetz gesündigt haben, die werden auch ohne Gesetz verloren werden. Welche aber unter dem Gesetz gesündigt haben, die werden durchs Gesetz verurteilt werden.
8 Denn vor Gott sind nicht, die das Gesetz hören, gerecht, sondern die das Gesetz tun, werden gerecht sein. Denn wo die Heiden, die das Gesetz nicht haben, doch von Natur tun des Gesetzes Werk, sind dieselben, dieweil sie das Gesetz nicht haben, sich selbst ein Gesetz.
9 Als die da beweisen, des Gesetzes Werk sei geschrieben in ihrem Herzen, sintemal ihr Gewissen sie bezeugt, dazu auch die Gedanken, die sich untereinander verklagen oder entschuldigen. Ein Gesetzbuch, das niemand drucken lässt und das trotzdem jeder mit sich herumträgt.
10 Siehe, du heißest ein Jude und verlässest dich aufs Gesetz und rühmest dich Gottes und weißt seinen Willen, und weil du aus dem Gesetz unterrichtet bist, prüfest du, was das Beste zu tun sei.
11 Und vermissest dich, zu sein ein Leiter der Blinden, ein Licht derer, die in Finsternis sind, ein Züchtiger der Törichten, ein Lehrer der Einfältigen, hast die Form, was zu wissen und recht ist, im Gesetz.
12 Nun lehrst du andere und lehrst dich selbst nicht. Du predigst, man solle nicht stehlen, und du stiehlst. Du sprichst, man solle nicht ehebrechen, und du brichst die Ehe. Dir greuelt vor den Götzen, und du raubest, was Gottes ist.
13 Du rühmest dich des Gesetzes und schändest Gott durch Übertretung des Gesetzes. Denn eurethalben wird Gottes Name gelästert unter den Heiden. Es war schon damals die verlässlichste Art, jemanden vom Glauben abzubringen: einen zu finden, der ihn öffentlich vertritt.
14 Die Beschneidung ist wohl nütz, wenn du das Gesetz hältst; hältst du das Gesetz aber nicht, so bist du aus einem Beschnittenen ein Unbeschnittener geworden.
15 So nun der Unbeschnittene das Gesetz hält, meinst du nicht, dass sein Unbeschnittensein werde für eine Beschneidung gerechnet? Und wird also, der von Natur unbeschnitten ist und das Gesetz vollbringt, dich richten, der du unter dem Buchstaben und der Beschneidung bist und das Gesetz übertrittst.
16 Denn das ist nicht ein Jude, der auswendig ein Jude ist, auch ist das nicht eine Beschneidung, die auswendig am Fleisch geschieht. Sondern das ist ein Jude, der inwendig verborgen ist, und die Beschneidung des Herzens ist eine Beschneidung, die im Geist und nicht im Buchstaben geschieht.
17 Eines Menschen Lob ist nicht aus Menschen, sondern aus Gott. Man beachte: Nicht das Zertifikat entscheidet, sondern das, was ohnehin niemand sieht und trotzdem am längsten hält.