Die Fake-Bibel

1. Mose (Genesis)

Kapitel 12
Der Aufbruch ohne Zieladresse

✦ ✦ ✦

1 Und der HERR sprach zu Abram: Geh aus deinem Vaterland und von deiner Verwandtschaft und aus deines Vaters Hause in ein Land, das ich dir zeigen will. Man beachte die Reihenfolge des Abschieds: erst das Land, dann die Sippe, dann das Haus. Sie geht von außen nach innen und wird mit jedem Schritt teurer.

2 Ein Ziel nannte er nicht. Der erste Ruf dieser Art lautete auf Aufbruch ohne Ort, ohne Dauer und ohne Rückweg. Wer heute so etwas unterschreibt, verlangt wenigstens die Anschrift.

3 Und ich will dich zum großen Volk machen und will dich segnen und dir einen großen Namen machen, und du sollst ein Segen sein. Und in dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter auf Erden.

4 Diesen letzten Halbsatz zitiert man selten. Der Segen war von Anfang an an eine Bedingung geknüpft, nämlich dass er weitergereicht wird. Seither hat jede Gruppe, die sich für auserwählt hielt, den ersten Teil auswendig gelernt und den zweiten überblättert.

5 Da zog Abram aus, wie der HERR zu ihm gesagt hatte, und Lot zog mit ihm. Abram aber war fünfundsiebzig Jahre alt, als er aus Haran zog. In einem Alter, in dem andere ihr Vieh übergeben, fing er an.

6 Und Abram zog durch das Land bis an die Stätte Sichem und an den Hain More. Es wohnten aber zu der Zeit die Kanaaniter im Lande. Ein Nebensatz, sechs Worte lang. Er wird die nächsten tausend Jahre nicht mehr aufhören zu wirken.

7 Da erschien der HERR dem Abram und sprach: Deinen Nachkommen will ich dies Land geben. Und er baute daselbst einen Altar dem HERRN, der ihm erschienen war. Man verspricht am leichtesten, was einem nicht gehört.

8 Und er brach auf von dort an einen Berg zwischen Bethel und Ai und schlug seine Hütte auf und baute einen Altar und predigte von dem Namen des HERRN. Danach zog er weiter und immer weiter gen Süden.

9 Es kam aber eine Teuerung in das Land. Da zog Abram hinab nach Ägypten, dass er sich dort als Fremdling aufhielte, denn die Teuerung war groß. Das verheißene Land konnte ihn nicht ernähren. Über dieses Detail geht die Auslegung gern zügig hinweg.

10 Und als er nahe an Ägypten kam, sprach er zu seinem Weibe Sarai: Siehe, ich weiß, dass du ein schönes Weib von Angesicht bist. Wenn dich nun die Ägypter sehen, werden sie sagen: Das ist sein Weib, und werden mich erwürgen und dich behalten.

11 Sage doch, du seiest meine Schwester, auf dass mir es wohlgehe um deinetwillen und meine Seele am Leben bleibe um deinetwillen. Zweimal „um deinetwillen”, und beide Male ist er gemeint.

12 Als nun Abram nach Ägypten kam, sahen die Ägypter das Weib, dass sie sehr schön war. Und die Fürsten des Pharao sahen sie und priesen sie vor ihm. Da ward sie in des Pharao Haus gebracht.

13 Und er tat Abram Gutes um ihretwillen, und er hatte Schafe, Rinder, Esel, Knechte und Mägde, Eselinnen und Kamele. Die Aufzählung der Gegenleistung ist vollständig überliefert, Stück für Stück. Was Sarai in jenem Haus erlebte, ist es nicht.

14 Aber der HERR plagte den Pharao mit großen Plagen um Sarais willen. Der Betrogene wurde geschlagen. Der Betrüger behielt das Vieh.

15 Da rief Pharao den Abram zu sich und sprach: Warum hast du mir das getan? Warum sagtest du mir nicht, dass sie dein Weib wäre? Es ist die einzige anständige Frage in diesem Kapitel, und sie kommt von dem Heiden.

16 Und Pharao befahl seinen Leuten, dass sie ihn geleiteten und sein Weib und alles, was er hatte. So verließ Abram Ägypten reicher, als er gekommen war, mit seiner Frau und ohne ein Wort der Entschuldigung. Die Verheißung galt weiter. Sie war nie an sein Betragen geknüpft gewesen.