Die Fake-Bibel

Lukas

Kapitel 13
Die enge Pforte und die volle Liste

✦ ✦ ✦

1 Zu der Zeit waren etliche da, die verkündeten ihm von den Galiläern, deren Blut Pilatus mit ihrem Opfer vermischt hatte. Man brachte es ihm als Nachricht, nicht als Frage, wie man das heute noch so macht: nicht um zu verstehen, sondern um zu sehen, wie er reagiert.

2 Und Jesus antwortete: Meint ihr, diese Galiläer seien größere Sünder gewesen als alle anderen Galiläer, weil sie das erlitten haben? Ich sage euch: Nein. Sondern so ihr euch nicht bessert, werdet ihr alle auch so umkommen.

3 Desgleichen die achtzehn, auf die der Turm zu Siloah fiel und erschlug sie: meint ihr, sie seien schuldiger gewesen als alle Menschen zu Jerusalem? Ich sage euch: Nein. Unglück ist keine Abrechnung, es ist nur Unglück, aber die Abrechnung ist immer schneller da als die Einsicht.

4 Und er sagte dies Gleichnis: Es hatte einer einen Feigenbaum, gepflanzt in seinem Weinberg, und kam und suchte Frucht darauf und fand sie nicht.

5 Da sprach er zu dem Weingärtner: Siehe, ich bin nun drei Jahre lang gekommen und habe Frucht gesucht auf diesem Feigenbaum und finde sie nicht; haue ihn ab, was hindert er das Land!

6 Der Weingärtner aber antwortete: Herr, lass ihn noch dies Jahr, bis ich um ihn grabe und bedünge ihn; vielleicht bringt er Frucht. Wenn nicht, so haue ihn danach ab. Es ist das einzige Kündigungsschreiben der Schrift mit eingebauter Fürsprache, und es kommt nicht vom Eigentümer.

7 Und er lehrte in einer Schule am Sabbat. Und siehe, ein Weib war da, das hatte einen Geist der Krankheit achtzehn Jahre; und sie war krumm und konnte nicht wohl aufsehen.

8 Als aber Jesus sie sah, rief er sie zu sich und sprach: Weib, sei los von deiner Krankheit! Und legte die Hände auf sie, und sie ward alsobald gerade und pries Gott.

9 Da antwortete der Oberste der Schule und war unwillig, dass Jesus am Sabbat heilte, und sprach: Es sind sechs Tage, daran man arbeiten soll; an denen kommt und lasst euch heilen, und nicht am Sabbattage.

10 Der Herr aber antwortete ihm und sprach: Du Heuchler, löst nicht ein jeglicher unter euch am Sabbat seinen Ochsen oder Esel von der Krippe und führt ihn zur Tränke?

11 Sollte aber nicht auch gelöst werden vom Bande am Sabbat diese, die doch Abrahams Tochter ist, welche der Satan gebunden hatte, siehe, achtzehn Jahre? Man beachte die Rechnung: Ein Vieh darf am Sabbat zur Tränke, ein Mensch muss auf den nächsten Termin warten, und die Vorschrift, die das regelt, hält sich für gnädig.

12 Und als er das sagte, mussten sich alle schämen, die ihm zuwider gewesen waren; und alles Volk freute sich über alle herrlichen Taten, die von ihm geschahen.

13 Da sprach er: Wem ist das Reich Gottes gleich, und wem soll ich’s vergleichen? Es ist einem Senfkorn gleich, das ein Mensch nahm und warf’s in seinen Garten; und es wuchs und ward ein großer Baum, und die Vögel des Himmels wohnten unter seinen Zweigen.

14 Und abermals sprach er: Wem soll ich das Reich Gottes vergleichen? Es ist einem Sauerteig gleich, den ein Weib nahm und verbarg ihn unter drei Scheffel Mehl, bis es ganz durchsäuert ward. Kein Umsatzbericht, kein Quartalsziel: nur die stille Arbeit unter der Oberfläche, die niemand sieht, bevor sie fertig ist.

15 Und er ging durch Städte und Märkte und lehrte und nahm seinen Weg gen Jerusalem. Es sprach aber einer zu ihm: Herr, meinst du, dass wenige selig werden?

16 Er aber sprach zu ihnen: Ringet danach, dass ihr durch die enge Pforte eingehet; denn viele werden, das sage ich euch, danach trachten, wie sie hineinkommen, und werden’s nicht tun können.

17 Von dem an, wenn der Hausherr aufgestanden ist und die Tür verschlossen hat, da werdet ihr denn anfangen draußen zu stehen und an die Tür zu klopfen und zu sagen: Herr, Herr, tu uns auf! Und er wird antworten: Ich kenne euch nicht, wo ihr her seid.

18 So werdet ihr dann anfangen zu sagen: Wir haben vor deinen Augen gegessen und getrunken, und du hast auf unseren Gassen gelehrt. Und er wird sagen: Ich sage euch, ich kenne euch nicht, wo ihr her seid; weichet alle von mir, ihr Übeltäter.

19 Da wird sein Heulen und Zähneklappern, wenn ihr sehen werdet Abraham und Isaak und Jakob und alle Propheten im Reich Gottes, euch aber hinausgestoßen. Die enge Pforte lässt sich nicht durch häufigen Besuch der Vorhalle erweitern.

20 Und es werden kommen von Osten und von Westen, von Norden und von Süden, die zu Tische sitzen werden im Reich Gottes. Und siehe, es sind Letzte, die werden die Ersten sein, und sind Erste, die werden die Letzten sein.

21 An demselben Tage kamen etliche Pharisäer und sprachen zu ihm: Heb dich hinaus und geh von hinnen, denn Herodes will dich töten.

22 Und er sprach zu ihnen: Gehet hin und saget diesem Fuchs: Siehe, ich treibe Teufel aus und mache gesund heute und morgen, und am dritten Tage werde ich ein Ende nehmen.

23 Doch muss ich heute und morgen und am folgenden Tage wandeln; denn es tut nicht, dass ein Prophet umkomme außerhalb Jerusalems. Jerusalem, Jerusalem, die du tötest die Propheten und steinigst, die zu dir gesandt sind, wie oft habe ich deine Kinder versammeln wollen, wie eine Henne ihr Nest unter ihre Flügel, und ihr habt nicht gewollt.